Offener Brief zur Coronakrise
Nach Krawallen: Mitte-Links-Jugend will Mitsprache bei Corona-Entscheiden

In einem offenen Brief fordern Juso, junge Grüne und die Jungparteien von Mitte, GLP und EVP nach den erneuten Krawallen in St. Gallen mehr Mitsprache in der Coronakrise.

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«Auch für die junge Generation Perspektiven schaffen»: Nach Krawallen in St.Gallen fordern Schweizer Jungparteien mehr Mitsprache.

«Auch für die junge Generation Perspektiven schaffen»: Nach Krawallen in St.Gallen fordern Schweizer Jungparteien mehr Mitsprache.

Bild: Raphael Rohner

(wap/sat) Die Gewalt in St.Gallen verurteilen die nationalen Jungparteien in ihrem am Ostermontag publizierten Offenen Brief einhellig. Die Politik müsse die Sorgen der jungen Generation nun aber ernster nehmen, fordern Juso, junge Grüne und die Jungarteien von Mitte, GLP und EVP in dem auf Twitter publizierten Schreiben.

Konkret solle der Bundesrat einen Beirat schaffen, in dem Jungparteien und Jugendverbände Einfluss auf das Krisenmanagement der Landesregierung nehmen könnten. Immer mehr Jugendliche fühlten sich nicht verstanden, heisst es in dem offenen Brief an den Bundesrat, der am Montag veröffentlicht wurde. Nun müssten auch für die junge Generation Perspektiven geschaffen werden, so das Fazit des Schreibens.

«Wir möchten diese Krise gemeinsam meistern», schreiben Sarah Bünter (Junge Mitte), Tobias Vögeli (Junge GLP), Dominic Täubert (JEVP), Nicola Siegrist (Juso) und Julia Küng (junge Grüne) in ihrem an Bundespräsident Guy Parmelin und die sechs weiteren Mitglieder der Landesregierung gerichteten Offenen Brief. «Geben Sie der jungen Generation die Möglichkeit, ihre Anliegen an Sie zu bringen. Lassen Sie die Zukunft unseres Landes bitte nicht im Stich.»

Weiter stellen die Vertreterinnen und Vertreter der fünf Jungparteien konkrete Forderungen. Präsenzunterricht soll an den Ausbildungsstätten durch eine rigorose Teststrategie und Schutzmassnahmen wieder ermöglicht werden, ebenso weitergehende Lockerungen speziell für Jugendliche. Ausserdem sollen diese beim Einstieg in die Arbeitswelt verstärkt unterstützt werden. Für Jugendliche mit psychischen Problemen brauche es zudem besondere Unterstützung. Auch müsse der Bundesrat sicherstellen, dass Jugendliche bei Lockerungen, die an Fortschritte der Impfstrategie gekoppelt seien, nicht diskriminiert würden.

In St. Gallen kam es bereits zu drei Kawallnächten

Die Stadtpolizei St. Gallen hatte am Ostersonntag nach erneuten Aufrufen in Sozialen Medien zu Gewalt rigorose Kontrollen in der Innenstadt durchgeführt. Dabei sind 60 Jugendliche verhaftet worden, wovon einige erst am Ostermontag wieder freigelassen wurden. Rund 500 Jugendliche wurden laut Angaben der Stadtpolizei weggewiesen. Auch für den Schulbesuch oder die Arbeit dürfen sie nur dann wieder nach St. Gallen kommen, wenn es keine Gewaltaufrufe im Internet mehr gibt.

Erst am Karfreitag war es in der Stadt St. Gallen nach derartigen Aufrufen in den Sozialen Medien zuletzt zu Jugendunruhen gekommen. Dabei hatten sich laut Medienberichten Jugendliche aus der ganzen Schweiz beteiligt. Begonnen hatten die Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei jedoch bereits am Wochenende vor Ostern. Auslöser war damals ein Polizeieinsatz gegen eine illegale Party gewesen.