Corona-Studie
Personal in Zürcher Alters- und Pflegeheimen steckt sich etwas häufiger mit Virus an

Im Kanton Zürich haben sich Mitarbeitende von Alters- und Pflegeheimen etwas häufiger infiziert als die Gesamtbevölkerung. Wie der Zürcher Teil der «Corona Immunitas»-Studie weiter aufzeigt, leidet ein Viertel der Infizierten zudem an Langzeitfolgen.

Dario Pollice
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Eine Studie von «Corona Immunitas» untersuchte die Häufigkeit von Antikörpern bei Mitarbeitenden von Alters- und Pflegeheimen. (Symbolbild)

Eine Studie von «Corona Immunitas» untersuchte die Häufigkeit von Antikörpern bei Mitarbeitenden von Alters- und Pflegeheimen. (Symbolbild)

Keystone

Das Projekt «Corona Immunitas» führt schweizweit Studien durch, um herauszufinden, wie viele Menschen ungefähr mit dem Virus in Berührung gekommen sind. Ergebnisse von Studien im Kanton Zürich haben unter anderem ergeben, dass besonders exponierte Berufsgruppen sich etwas häufiger mit Covid-19 angesteckt haben, als die Gesamtbevölkerung im untersuchten Zeitraum. Dies teilte die Zürcher Gesundheitsdirektion am Freitag mit.

Die durchschnittliche Seroprävalenz - die Häufigkeit von Antikörper in Blutproben - lag demnach bei Spitex-Mitarbeitenden bei 3,8 Prozent. Dies sei nur leicht höher als der Wert in der Gesamtbevölkerung über denselben Zeitraum. Dafür lag die Seroprävalenz beim Personal der untersuchten Alters- und Pflegeheimen mit durchschnittlich 14,9 Prozent höher, heisst es.

Doch zwischen den einzelnen Heimen habe es grosse Unterschiede gegeben, so dass die Bandbreite der Seroprävalenz von 3,8 bis 24,4 Prozent reicht. Für die Zürcher Kantonsärztin Christiane Meier zeigten die Ergebnisse, dass jedes Alters- und Pflegeheim ein spezifisch auf seinen Betrieb angepasstes Schutzkonzept brauche. Zudem sollte bei ersten positiven Fällen in den Heimen «umgehend eine Ausbruchsuntersuchung durchgeführt werden», lässt sich Meier zitieren.

Langzeitbeschwerden: Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Husten

Eine weitere Studie untersuchte mittels Fragebogen die langfristigen klinischen Folgen des Coronavirus bei rund 1500 positiv getesteten Personen im Kanton. Insgesamt hätten 26 Prozent der Erkrankten angegeben, dass sie ein halbes Jahr nach der Infektion sich immer noch nicht ganz erholt haben. Als häufigste Beschwerden wurden laut Mitteilung starke Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Husten genannt sowie Symptome mindestens einer leichten Depression oder Angststörung.

Gemäss Professor Milo Puhan ist bei einem schweren Verlauf «das Risiko, unter Langzeitbeschwerden zu leiden, höher – aber es gibt sie auch nach leichtem Verlauf», lässt sich der Direktor des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention (EBPI) der Universität Zürich in der Mitteilung zitieren.

«Corona Immunitas» wurde von der Stiftung Swiss School of Public Health initiiert und koordiniert. Am Forschungsprogramm sind laut eigenen Angaben 14 Hochschulen und Gesundheitsorganisationen beteiligt. Das EBPI der Universität Zürich ist gemäss Mitteilung mit sieben Studien bei «Corona Immunitas» involviert. Für die Seroprävalenz-Analyse beim Gesundheitspersonal wurden 131 Spitex-Mitarbeitende aus je sechs Organisationen sowie 296 Mitarbeitende aus sechs Alters- und Pflegeheimen untersucht. Die Studie fand im Zeitraum vom 22. September bis zum 23. Oktober 2020 statt.