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Grossbritannien-Variante breitet sich im Tessin schnell aus

Bis zu einem Viertel der Neuinfektionen im Kanton Tessin gehen auf das Konto der mutierten Grossbritannien-Variante des Coronavirus. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit von Schul-Clustern.

Peter Walthard
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Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani: «Es braucht restriktivere Massnahmen.»

Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani: «Es braucht restriktivere Massnahmen.»

Keystone

Insgesamt vermeldet das Tessin dieser Tage nur mässig viele Neuansteckungen. Der Kanton liege im unteren Drittel der Schweizer Kantone, sagte Kantonsarzt Giorgio Merlani am Freitag an einer Medienkonferenz. Er vermeldete 75 Neuansteckungen, 28 mehr als am Donnerstag. In den letzten Tagen seien die Zahlen auf tiefem Niveau stabil gewesen. Sorgen bereitet den Tessinern die Ausbreitung der Grossbritannien-Variante des Virus, die gemäss britischen Studien um bis zu 50 Prozent ansteckender ist als das herkömmliche Coronavirus. Merlani schätzt den Anteil des neuartigen Virus auf 10 bis 25 Prozent der Neuinfektionen.

Dies sei im Hinblick auf die Schulen ein Problem. Merlani zitierte Daten aus Grossbritannien, wonach die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schulkind seine Mutter anstecke, mit der neuen Variante um einen Drittel ansteige. Dies decke sich mit der Beobachtung, dass die Zahlen in der Gesamtbevölkerung gesunken, im schulischen Umfeld aber gestiegen seien. «Es braucht restriktivere Massnahmen», sagte Merlani.

In der Unterstufe, wo keine Maske getragen wird, schickt der Kanton bei einem positiven Test deshalb gleich die gesamte Klasse in Quarantäne und offeriert Tests für alle Betroffenen. In der Mittelschule ist die Quarantäne nicht automatisch. Derzeit seien an fünf Tessiner Schulen ganze Klassen in Quarantäne, so Merlani. Massentests seien in dieser Situation keine Lösung, da der Aufwand, alle 55'000 Tessiner Schüler regelmässig zu testen, zu gross sei. Hier brauche es noch eine nähere Betrachtung.

Bedingungen für Quarantäneverkürzung

Die vom Bund beschlossenen Erleichterungen bei der Quarantäne werden vom Kanton zurückhaltend umgesetzt. Die Quarantäne darf nur abbrechen, wer nach mindestens sieben Tagen einen negativen PCR-Test vorlegt. Schnelltests werden nicht akzeptiert. Wer mit der Grossbritannien-Variante infiziert ist, muss zwingend die ganze Quarantäne absitzen. Wer die Quarantäne verkürzt, darf nur zur Arbeit, wenn dort jederzeit Maske getragen und der Mindestabstand eingehalten werden kann.

Da sich die Situation in den Alters- und Pflegeheimen entspannt habe, lockert der Kanton Tessin hier die Vorgaben. Wie im Dezember sind Besuche wieder möglich, allerdings nur mit Maske und unter Wahrung des Mindestabstands.