Corona bremste HIV: Deutlich weniger Ansteckungen als im Vorjahr

Bis dato wurden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) in diesem Jahr deutlich weniger HIV-Infektionen gemeldet als 2019. Das könnte auch eine Folge der Pandemie sein, argumentiert der Bund.

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Während des Lockdowns wurden in der Schweiz weniger HIV-Tests durchgeführt. (Symbolbild)

Während des Lockdowns wurden in der Schweiz weniger HIV-Tests durchgeführt. (Symbolbild)

Keystone

(wap) Seit Jahresbeginn verzeichnet das BAG 236 neue HIV-Infektionen. Im gesamten Vorjahr 2019 waren es noch 380 gewesen. Dies geht aus der vom BAG am Montag veröffentlichten Statistik übertragbare Krankheiten hervor. Auch die gemeldeten Aids-Fälle sind in diesem Jahr zurückgegangen. Derzeit führt das BAG in seiner Statistik für meldepflichtige Infektionskrankheiten 45 Fälle seit Jahresbeginn auf. 2019 waren es 68 gewesen.

Die tiefere Zahl an gemeldeten HIV-Infektionen dürfte mit der Pandemie und dem damit verbundenen «Lockdown» in Frühling zu tun haben. Während diesem sei die Zahl der Besuche in HIV-Teststellen eingebrochen, erst Mitte September sei wieder das normale Niveau erreicht worden, schreibt das BAG in seinem am Montag veröffentlichten Bulletin.

Pandemie beeinflusst Sexualverhalten der Menschen

Daten zum Sexualverhalten während des Coronajahrs liegen dem BAG noch nicht vor. «Das körperliche Abstandhalten zu anderen Menschen ist mit einer gelebten Sexualität ausserhalb fester Partnerschaften nur schwer vereinbar», heisst es jedoch im Bulletin.

Nathan Schocher, HIV-Experte bei der Aids-Hilfe Schweiz, geht davon aus, dass die Leute in der Pandemie weniger sexuelle Risikokontakte hätten. Dies erklärte er am Montag in der Sendung «HeuteMorgen» von Radio SRF: «Viele Begegnungsorte fallen weg, Clubs und Bars sind geschlossen, es gibt Sperrstunden. Das beeinflusst das Sexualverhalten der Menschen.»