Diplomatie
Nach erneuter Panne am Bundesratsjet: Cassis' China-Besuch fällt ins Wasser

Aus der geplanten China-Reise von Aussenminister Ignazio Cassis wird vorerst nichts. Nach einer Zwischenlandung in Moskau ist klar: Eine Weiterreise mit dem Bundesratsjet nach Anji ist unmöglich.

Reto Wattenhofer und Samuel Thomi
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Am Bundesratsjet ist ein technischer Defekt aufgetreten. Cassis muss seinen Besuch in China deshalb absagen. (Archivbild)

Am Bundesratsjet ist ein technischer Defekt aufgetreten. Cassis muss seinen Besuch in China deshalb absagen. (Archivbild)

Keystone

Aussenminister Ignazio Cassis sollte am Samstag seinen chinesischen Amtskollegen Wang Yi in der Stadt Anji treffen. Dazu wird es nicht kommen. Grund dafür sind technische Probleme am Bundesratsjet, die auftraten als die Maschine schon in der Luft war. Nach einem geplanten Tankstopp in Nowosibirsk habe der Bundesratsjet wegen der Probleme in die sibirische Stadt zurückkehren müssen, meldet die Nachrichtenagentur DPA mit Verweis auf Informationen des Aussendepartements in Bern (EDA). Anschliessend flog die Maschine nach Moskau zurück. Eine Gefahr für die Passagiere im Bundesratsjet habe zu keinem Zeitpunkt bestanden.

In Moskau sollte geprüft werden, ob die Weiterreise nach China möglich ist. Wie das EDA auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schreibt, ist eine Weiterreise nach China im Moment jedoch nicht möglich. «Wir haben verschiedene Optionen geprüft», betont das EDA. Bundesrat Cassis werde deshalb noch heute Freitag mit dem Bundesratsjet in die Schweiz zurückkehren, bestätigt Cassis Departement auf Anfrage von CH Media. Der geplante strategische Dialog der Schweiz mit China solle jedoch «so rasch wie möglich nachgeholt» werden.

Im Gepäck hatte Cassis nämlich die neue Strategie, wie der Bundesrat künftig mit der Grossmacht China umgehen möchte. Diese hatte bei der Vorstellung letzten März hohe Wellen geschlagen. Der Bundesrat hat nämlich die Hoffnung aufgegeben, dass die wirtschaftliche Öffnung Chinas auch mit einer politischen Öffnung des Landes und mehr Freiheiten für die chinesische Bevölkerung einhergeht. «Politisch bleibt China faktisch ein Einparteienstaat mit zunehmend autoritären Tendenzen», hatte Aussenminister Cassis damals erklärt. Die für Schweizer Verhältnisse deutlichen Worte waren auf der chinesischen Seite schlecht angekommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Auslandreise eines Mitglied der Landesregierung wegen einer Panne am Bundesratsjet nicht zustande kommt. Im Juli musste Bundespräsident Guy Parmelin auf dem Weg zu den Olympischen Sommerspielen in Japan ebenfalls umkehren. Über der Region Riga in Lettland hatten die technischen Überwachungssysteme der Falcon 900 des Lufttransportdienst des Bundes ein technisches Problem an einem der Triebwerke angezeigt. Parmelin schaffte es dennoch rechtzeitig zur Eröffnung der Sommerspiele – mit einem Linienflug.

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