Bistum Chur
Neuer Churer Bischof will Risse kitten und näher an den Menschen sein

Der neue Bischof, Joseph M. Bonnemain, will die Polarisierung im Bistum Chur angehen. Die Kirche dürfe sich aber nicht zu stark mit sich selber beschäftigen.

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Joseph M. Bonnemain wurde am Freitag feierlich als neuer Bischof des Bistums Chur eingeweiht. (Archivbild)

Joseph M. Bonnemain wurde am Freitag feierlich als neuer Bischof des Bistums Chur eingeweiht. (Archivbild)

Keystone

(gb) In einem Interview mit Radio SRF äusserte sich der frisch geweihte Bischof, Joseph M. Bonnemain, am Samstag zur Spaltung im Bistum Chur. Erst tags zuvor war Bonnemain in Chur eingeweiht worden. Es gebe Risse zwischen Progressiven und Konservativen im Bistum, die es nun zu kitten gelte, so Bonnemain. Die Polarisierung sei gross und für das neue Leitungsteam suche er Leute, die diese Risse flicken könnten.

«Ich möchte jedoch verhindern, nur mit der Institution beschäftigt zu sein», sagte Bonnemain weiter. «Es ist ein Luxus, wenn wir uns nur mit unseren Grabenkämpfen beschäftigen.» Stattdessen möchte Bonnemain vermehrt auf die Menschen zugehen. Denn die Not der Menschen sei in der Coronakrise gross. Auf die Frage der Journalistin, ob ihm die Manager-Rolle nicht behage, sagte Bonnemain: «Wir müssen ein Seelsorge-Herz haben, sonst sind wir nicht Kirche.» Bonnemain arbeitet seit mehreren Jahrzehenten als Seelsorger, unter anderem im Spital Limmattal.

Pristerweihe für Frauen: Bonnemain will keine «Grenzen sprengen»

Zudem musste sich Bonnemain die Frage gefallen lassen, ob er als Mitglied der äusserst konservativen Organisation Opus Dei der Richtige sei, um die Gräben im Bistum Chur zuzuschütten. Bonnemain stellte daraufhin in Frage, ob Opus Dei überhaupt konservativ sei. Was ihn damals zu Opus Dei gezogen habe, sei die Botschaft, dass man Gott am ehesten bei den Menschen auf der Strasse begegne. «Alles andere ist Beilage», so Bonnemain. Zudem habe sich Opus Dei nie eingemischt in seine Tätigkeiten im Bistum.

Unklar ist, was sich die Frauen in der katholischen Kirche von Bonnemain erhoffen dürfen. An seine Einweihungsfeier waren sie prominent vertreten und Bonnemain betonte im Interview ihre wichtige Rolle in der katholischen Kirche. Doch er gab sich bedeckt auf die Frage, ob er Frauen für die Priesterweihe zulassen wolle. Es brauche hier eine Entwicklung, sagte Bonnemain. «Ich möchte in diesem Prozess mit dem Papst mitgehen, aber ohne die Grenzen zu sprengen.»