Berufliche Vorsorge
Lukratives Broker-Geschäft: Kommission zeigt ein Herz für Vermittler

Der Bundesrat will klare Regeln aufstellen, wann Pensionskassen Maklern Provisionen bezahlen müssen. Die Branche reagierte empört. Nun erhält sie Schützenhilfe durch die Politik.

Reto Wattenhofer
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Lukratives Geschäft: Gemäss einer Studie fliessen hierzulande jährlich 300 Millionen Franken Provisionen an Makler. (Symbolbild)

Lukratives Geschäft: Gemäss einer Studie fliessen hierzulande jährlich 300 Millionen Franken Provisionen an Makler. (Symbolbild)

Keystone

Die berufliche Vorsorge ist ein komplexes Gebilde. Viele Firmen greifen bei der Wahl einer Pensionskasse deshalb auf die Dienste eines Brokers zurück. Dieser agiert als Berater, holt Offerten bei verschiedenen Vorsorgeeinrichtungen ein und vergleicht sie. Soweit so gut. Nur: Nicht der Auftraggeber, also der Arbeitgeber, bezahlt den Makler, sondern oft ist es die Pensionskasse. Das System führt zu Fehlanreizen, weil der Broker jenen Anbieter empfiehlt, bei dem er am meisten profitiert. Und das Geschäft ist lukrativ: Eine Studie des Beratungsunternehmens c-alm zeigt, dass jährlich Provisionen in der Höhe von 300 Millionen Franken an Makler fliessen.

Trotz dieser Situation sieht die ständerätliche Sozialkommissionen keinen Handlungsbedarf bei den Entschädigungen für die Vermittlung von Vorsorgegeschäften. Mit 9 zu 4 Stimmen lehnt sie eine vorgeschlagene Regelung des Bundesrates ab, wie die Parlamentsdienste am Freitag mitteilten. Eine Regulierung würde die Wahlfreiheit der Unternehmen begrenzen und KMU benachteiligen, argumentiert die Kommissionsmehrheit. Auch sei die Branche nicht konsultiert worden.

Minderheit kritisiert «Zweckentfremdung»

Eine Minderheit unterstützt den Vorschlag des Bundesrates in der Absicht, die mit der heutigen Praxis verbundene «Zweckentfremdung» von Vorsorgegeldern zu verhindern. Nach Ansicht des Bundesrates sind solche Entschädigungen nicht im Interesse der Versicherten und deshalb mit dem Vorsorgeziel nicht vereinbar.

Er halte die aktuelle Situation für unbefriedigend, schreibt er in der Botschaft. Deshalb möchte er neu die Kompetenz erhalten, zu regeln, unter welchen Voraussetzungen eine Pensionskasse für die Vermittlung Entschädigungen bezahlen darf.

Für ein neues Entschädigungsmodell hatte sich früher bereits der Pensionskassenverband stark gemacht. Der Broker sollte vom Arbeitgeber und nicht mehr von den Pensionskassen bezahlt werden — und zwar nach Aufwand. «So können die Interessen der Versicherten besser gewahrt und die geforderte Transparenz einfacher erreicht werden», argumentierte der Verband. In der Sozialkommission des Nationalrates fiel ein entsprechender Antrag jedoch durch.

Nun wird sich der Ständerat in der Sommersession über das Geschäft beugen.