Ausschreitungen
Protest gegen Zertifikat: Berner Polizei geht gewaltsam gegen Demo vor

Am Donnerstagabend löste die Berner Kantonspolizei eine unbewilligte Kundgebung von Massnahmenkritikern auf. Dabei wurde auch Gewalt angewendet.

Peter Walthard
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Beitrag: Katja Jeggli

Eine unbewilligte Demonstration gegen die Zertifikatspflicht wurde am Donnerstagabend in Bern von der Polizei aufgelöst. Bilder von einer Festnahme am Rande der Kundgebung zeigen, wie Polizeikräfte auf einen am Boden liegenden Mann einschlagen und auf seinen Hals knien. In den sozialen Medien provoziert dies Kritik auch von Gegnern der Massnahmenkritiker.

«Niemals darf die Schwurbelei zum Anlass für unverhältnismässige Polizeigewalt genommen werden», twitterte der Menschenrechtsanwalt Philip Stolkin und erhielt dafür auch von Twitter-Usern Zuspruch, die sich als Anhänger der linksgerichteten Antifa-Bewegung identifizieren.

Weitere Bilder des Videokanals «Live1» zeigen den Einsatz von Gummischrot und Wasserwerfer gegen Protestierende.

Die Kantonspolizei Bern bestätigte den Einsatz von Gummischrot und Wasserwerfern noch am Donnerstagabend in einer Mitteilung. Die Teilnehmenden hätten wiederholt Polizeisperren bedrängt und missachtet. Ein Polizist sei bei einer Anhaltung verletzt worden. Neun Personen seien vorübergehend festgenommen worden, vier müssten mit einer Anzeige rechnen. Ausserdem seien gegen 80 Wegweisungen ausgesprochen worden.

Laut Polizei hatte sich der Protestzug um 19.30 formiert und in Richtung Bundesgasse in Bewegung gesetzt. Nach einem ersten Polizeieinsatz seien die Protestierenden zum Bahnhof zurückgekehrt. Von dort aus hätten zwei kleinere Gruppierungen erneut Protestmärsche gestartet. Eine davon sei von der Polizei blockiert worden, worauf sich die Kundgebung aufgelöst habe.

In Bern finden seit Einführung der Zertifikatspflicht jeden Donnerstag Protestkundgebungen statt. Die Demonstrierenden versuchen dabei jeweils das Bundeshaus zu erreichen, das von der Polizei abgeriegelt wird. Am 16. September hatte eine solche Kundgebung zu einer schweizweiten Polemik über einen angeblichen «Sturm aufs Bundeshaus» geführt.

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