Ambulante Medizin
Versicherer und Spitäler wollen pauschale Abgeltung auf alle Leistungen ausweiten

Santésuisse, der Spital- und der Chirurgenverband gründen eine Tariforganisation, um pauschale Vergütungen auf alle ambulanten Leistungen auszuweiten. Doch die Gesundheitsbranche ist gespalten.

Samuel Thomi
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Sollen auch im ambulanten Bereich Fallpauschalen eingeführt werden? Dafür haben Versicherer und Spitäler eine Tariforganisation gegründet.

Sollen auch im ambulanten Bereich Fallpauschalen eingeführt werden? Dafür haben Versicherer und Spitäler eine Tariforganisation gegründet.

Keystone

Letztes Jahr haben die drei Verbände Santésuisse, H+ und FMCH dem Bundesrat einen Vorschlag unterbreitet, wie in einem ersten Schritt 75 ambulante medizinische Eingriffe pauschal abgegolten werden können. Nun wollen sie diese pauschalen Vergütungen zügig weiter ausbauen, damit schon bald die Mehrheit der Leistungen auch im ambulanten Bereich mittels Pauschalen abgegolten werden. Das schreiben der Krankenkassenverband, der Spitalverband und der Verband der Chirurgen am Freitag in einer gemeinsamen Mitteilung. Dazu hätten sie eben die neue Tariforganisation «solutions tarifaires suisses sa» gegründet.

Bereits im Winter soll diese neue Tariforganisation dem Bundesrat «ein umfassendes, auf ambulanten Pauschalen beruhendes Tarifwerk zur Genehmigung» vorlegen, schreiben die drei Verbände. Dieses werde auf reellen Kosten basieren und Probleme des aktuellen Einzelleistungstarifs Tarmed beheben. Für gewisse Untersuchungen oder Behandlungen bleiben aber auch künftig Zeit- oder Einzelleistungstarife nötig.

Kassenkonkurrenz und Ärzte setzen auf neuen Einzeltarif

Im Verwaltungsrat der neuen Tariforganisation nehmen die Präsidien der drei Verbände Einsitz. Den Vorsitz übernimmt laut Mitteilung alt SVP-Nationalrat und Santésuisse-Präsident Heinz Brand. Als Vizes amtieren FDP-Nationalrätin und H+-Präsidentin Isabelle Moret sowie Chirurgen-Präsident Michele Genoni.

Druck für die Einführung von Pauschalen für Untersuchungen oder Leistungen im ambulanten Bereich kommt denn auch aus der Politik. So hat sich letzten Herbst etwa die Gesundheitskommission des Nationalrats für Leitplanken zur Erarbeitung und Anwendung von Pauschalen für ambulante Behandlungen ausgesprochen. Im stationären Bereich werden in der Schweiz seit 2004 medizinische Leistungen pauschal abgerechnet.

Doch nicht alle in der Gesundheitsbranche sind überzeugt vom Nutzen solcher Fallpauschalen. Curafutura, der zweite Krankenkassenverband in der Schweiz, erachtet diese im ambulanten Bereich als untauglich. Denn einheitliche Pauschalen würden nur bei einheitlichen Menschen mit einheitlichen Krankheitsbildern in einer normierten Schweiz funktionieren. Pauschalen seien lediglich bei einem Fünftel der ambulanten Eingriffe sinnvoll. Curafutura setzt denn auch auf den neuen Einzelleistungstarif Tardoc. Dieser soll den seit 2004 gültigen Tarmed ablösen und ist von Curafutura zusammen mit der Ärztegesellschaft FMH im Sommer 2019 beim Bund eingereicht worden. Soll er kommendes Jahr in Kraft treten, muss er jedoch bis Ende Juni vom Bund genehmigt werden.