Rentenalter
Wegen Diskriminierung: Gewerkschaften wollen am Frauenstreik vom 14.Juni gegen die AHV-Reform mobilisieren

Der diesjährige 14. Juni soll ganz im Zeichen des Kampfes gegen die Angleichung des Rentenalters von Mann und Frau stehen. Frauen würden dadurch benachteiligt, kritisieren Gewerkschafterinnen.

Peter Walthard
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Ohne Reformen dauert es noch 80 Jahre, bis Frauen in der Schweiz gleich viel Rente beziehen können wie Männer. Diese Berechnung präsentierte der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) am Montag in Bern vor den Medien.

Die tieferen Renten seien darauf zurückzuführen, dass Frauen seltener in Vollzeitpensen arbeiteten, mehr Freiwilligenarbeit leisteten und generell weniger verdienten als Männer. Heute erhielten Frauen einen Drittel weniger Rente, sagte Patrizia Mordini, Co-Präsidentin der SGB-Frauenkommission an der Medienkonferenz:

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Keystone-SDA

Konkret erhielt eine Frau, die 2019 in Rente ging, laut Berechnungen des SGB von ihrer Pensionskasse durchschnittlich 1160 Franken ausbezahlt. Ein Mann dagegen erhielt 2144 Franken. Diese Ungleichheit werde mit der laufenden AHV-Reform noch verstärkt, kritisierten die Gewerkschafterinnen am Montag.

Denn allein über die Erhöhung des Frauenrentenalters würden in der AHV bis 2031 10 Milliarden Franken gespart, sagte Léonore Porchet, Vizepräsidentin des Gewerkschaftsverbands Travail.Suisse und Waadtländer Nationalrätin der Grünen. Das Opfer hätten allein die Frauen zu erbringen, die auch zuvor schon während ihrer beruflichen Laufbahn benachteiligt worden seien.

AHV soll gegenüber der Pensionskasse gestärkt werden

Akzentuiert werde diese Situation noch durch die Unterschiede von Frauenkarrieren und Männerkarrieren, führte VPOD-Präsidentin Katharina Prelicz-Huber aus. Die Zürcher Grünen-Nationalrätin verglich die Situation eines Credit- und Riskmanagers mit jener einer Fachperson im Kinderbetreuungsbereich. Letztere erhalte nach zehn Jahren Berufserfahrung vielleicht 4500 Franken Lohn, der Manager dagegen beginne schon mit über dem Doppelten.

Wenn die Frau dazu noch Teilzeit arbeite, um eigene Kinder zu betreuen, erwarte sie im Alter «eine miserable, den Manager eine fürstliche Rente», sagte Prelicz-Huber.

Geringer sind die Unterschiede laut SGB bei der AHV, da diese Erziehungs- und Betreuungszeiten anrechne, wie es in einer gleichentags versandten Mitteilung heisst. Aus diesem Grund sei die Angleichung des AHV-Alters auf 65 Jahres für beide Geschlechter ein Fehler. Dies sieht die aktuell im Bundesparlament traktandierte Rentenreform AHV 21 vor.

Die AHV müsse ein Motor für die Gleichstellung sein, schreibt der Gewerkschaftsbund. Sie dürfe also nicht geschwächt, sondern müsse wenn schon gestärkt werden. Diesem Zweck soll etwa die kürzlich eingereichte Eidgenössische Volksinitiative für eine 13. AHV-Rente des SGB dienen.

«Wir lassen keine Erhöhung des Frauenrentenalters zu»

Am Frauenstreik vom 14. Juni wollen die Gewerkschaften ihren Widerstand demonstrieren. Geplant sind laut eigenen Angaben «Lärmaktionen» ab 15.19 Uhr. Das ist laut SGB die Tageszeit, ab welcher die Frauen aus Sicht der Gewerkschafterinnen gratis arbeiten. «Unsere Wut ist gross», sagte Patrizia Mordini. Dass das Parlament die Renten der Frauen faktisch kürzen wolle, sei respektlos.

Diese Einschätzung teilte auch SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer. Dass das Parlament zwei Jahre nach dem grossen Frauenstreik von 2019 nun ausgerechnet den Frauen an die Rente wolle, sei ein Hohn, sagte die Zürcher Nationalrätin.

Auch dieses Jahr wollen Aktivistinnen am Frauenstreiktag vom 14. Juni mit Lärmaktionen auf ihre Anliegen aufmerksam machen. (Archivbild)

Auch dieses Jahr wollen Aktivistinnen am Frauenstreiktag vom 14. Juni mit Lärmaktionen auf ihre Anliegen aufmerksam machen. (Archivbild)

Keystone

Gabriela Medici, stellvertretende SGB-Sekretariatsleiterin, äusserte die Befürchtung, dass die AHV 21 zudem nur ein Vorspiel sei für einen weiteren Abbau. Die Einsparungen würden nämlich nicht lange reichen. «Die ganze Reform ist so gestaltet, dass 2026 das Rentenalter für beide Geschlechter angehoben werden soll», sagte Medici.

Die Gewerkschaften wollten sich bereits gegen die Anfänge wehren: «Wir werden eine Erhöhung des Frauenrentenalters nicht zulassen», sagte Unia-Präsidentin Vania Alleva.