Abstimmungskampf
Gegner der «Ehe für alle»: «Ebnet das Terrain für ein fatales Gesellschaftsexperiment»

Die Gegner der «Ehe für alle» präsentieren in Bern ihre Argumente für ein Nein zur Vorlage. Sie stören sich vor allem an der Samenspende für lesbische Paare.

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Nationalrätin Verena Herzog (SVP/TG) wehrte sich gegen die «Ehe für alle».

Nationalrätin Verena Herzog (SVP/TG) wehrte sich gegen die «Ehe für alle».

Keystone

Die Gegner der «Ehe für alle» haben ihre Abstimmungskampagne lanciert. Vor den Medien präsentierten sie in Bern ihre Argumente. Sie seien der Meinung, dass die Ehe auch «in Zukunft der Verbindung von Mann und Frau vorbehalten sein soll», wie es in einer Mitteilung heisst. Das Partnerschaftsgesetz bilde bereits heute «den passenden Rahmen für die rechtliche Absicherung gleichgeschlechtlicher Paare».

Besonders stören sich die Gegner an der Samenspende, die auch für lesbische Paare offen sein soll. Diese «ebnet das Terrain für ein fatales Gesellschaftsexperiment», heisst es in der Mitteilung. Sie führe auch «zu gesetzlich geförderter Vaterlosigkeit und Identitätsproblemen für die betroffenen Kinder.»

«Kinder für alle» statt «Ehe für alle»

Verena Herzog (SVP/TG) sagte: «Für eine beständige Gesellschaft ist es wichtig, dass Kinder mit Vater und Mutter aufwachsen können.» Für sie wird der Mann mit der Vorlage «auf die Rolle eines blossen Samenlieferanten reduziert», so Herzog. Kinder hätten ein Recht auf ihren Vater und dieses werde solchen Kindern von lesbischen Paaren «von Beginn an genommen». In ihren Augen heisst die Vorlage falsch. Eigentlich, so ist Herzog überzeugt, wäre «Kinder für alle» statt «Ehe für alle» der richtige Name. «Niemand hat ein Recht auf Kinder, aber die Kinder haben ein Recht auf Mutter und Vater», sagte die Nationalrätin.

Auch Daniel Frischknecht, Präsident der EDU und Thurgauer Kantonsrat, will mit der Ablehnung der Vorlage die Kinder schützen. Es sprach auch davon, dass die Samenspende für lesbische Paare sogar eine «echte Diskriminierung» geschaffen werde, «nämlich, dass gegenüber den lesbischen schwule Partnerschaften keinen Zugang zur Fortpflanzungsmedizin erhalten werde», so Frischknecht. Dies rufe «zwangsläufig die Leihmutterschaft und die Eizellenspende auf den Plan. Die Ukraine lässt grüssen.»

«Und wo soll man anhalten?»

Nationalrat Benjamin Roduit (Die Mitte/VS) findet, dass die politischen Befürworter der «Ehe für alle» mit der «Verknüpfung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und der Samenspende zu schnell zu weit gehen». Individuelle Wünsche würden «willkürlich dem Wohl der Kinder entgegengesetzt», so Roduit. Er sagte auch, dass die Samenspende für lesbische Paare nur der Anfang sei. «Bald wird die Forderung laut werden, die Leihmutterschaft für schwule Männer zu legalisieren. Und wo soll man anhalten? Einige Kreise fordern bereits eine Rückkehr zur Polygamie und die Installation eines reversiblen Vertrags anstelle der Ehe», sagte Roduit. Darum sei es nun an der Zeit, das Gesetz an den Absender zurückzuschicken.

Die Schweizer Stimmbevölkerung kann am 26. September über die «Ehe für alle» befinden. Bei der Abstimmung geht es unter anderem darum, ob homosexuelle Paare künftig heiraten dürfen und um den Zugang zur Samenspende für lesbische Paare. Das Parlament hatte in der vergangenen Wintersession «Ja zur Ehe» für alle gesagt. Dagegen hatten Politiker von EDU und SVP erfolgreich das Referendum ergriffen. Der Bundesrat und die meisten Parteien unterstützen die Vorlage. (mg/abi)

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