Abstimmung
Tierversuchsinitiative: Gegner bilden Allianz von SVP bis hin zu den Grünen

Ein Komitee mit Vertretern aus allen Parteien warnt vor den möglichen Folgen der Tierversuchsinitiative: Diese gefährde die Gesundheitsversorgung und den Wirtschaftsstandort.

Peter Walthard
Drucken

Die Tier- und Menschenversuchsverbots-Initiative, über die am 13. Februar abgestimmt wird, fordert ein vollständiges Verbot von Tierversuchen. Damit sei sie «eine der radikalsten Vorlagen der letzten Jahre», warnt das Nein-Komitee. Am Montag eröffnete es in Bern seine Abstimmungskampagne. Vertreten sind Exponenten aller Bundeshausfraktionen von der SVP bis hin zu den Grünen.

In den Vordergrund ihrer Argumentation rücken die Gegner die möglichen Folgen für die Gesundheitsversorgung. «Die Initiative ist ein Rundumschlag und betrifft die medizinische Versorgung und damit die Gesundheitssicherheit», wird Ständerätin Andrea Gmür (Mitte/LU) in einer Mitteilung des Komitees zitiert. Sie verwies darauf, dass das Volksbegehren im Parlament keine einzige Stimme erhalten habe.

Ständerätin Johanna Gapany (FDP/FR) warnte vor Engpässen bei der Versorgung mit Medikamenten: «Gemäss dem Willen der Initiative könnte die Schweiz neue Medikamente weder entwickeln noch importieren», sagte sie. Die Initiative stelle damit «ein konkretes Risiko dar für alle, die in unserem Land auf medizinische Behandlungen angewiesen sind.» Dies bestätigte auch Nationalrätin Martin Munz (SP/SH): «Zum Beispiel würde der Zugang zu den neuesten Behandlungen von Krebs verunmöglicht». Der Schweizer Tierschutz (STS), in dessen Vorstand Munz sitzt, lehne die Initiative deshalb ebenfalls ab.

Bei einem Ja wären sie komplett verboten: Tierversuche in der Schweiz. (Archiv)

Bei einem Ja wären sie komplett verboten: Tierversuche in der Schweiz. (Archiv)

Keystone

Auch die Landwirtschaft wäre betroffen

Probleme befürchtet auch die Landwirtschaft, wie Nationalrat Martin Haab (SVP/ZH) ausführte. So könnten Eingriffe wie Klauenpflege oder künstliche Befruchtung beim Vieh nicht mehr geübt und neue Ansätze bei der Melk- und Fütterungstechnologie nicht mehr getestet werden. «Verzichtet man darauf, geht das auf Kosten der Sicherheit und der Tiergesundheit», sagte Haab.

Für Ständerätin Maya Graf (Grüne/BL) verfehlt die Initiative ausserdem ihr Ziel und schadet der Gesundheit von Mensch und Tier. Wichtiger sei es, mit allen Akteuren gezielt in tierversuchsfreie Forschung zu investieren. Die Initiative verhindere nämlich keine Tierversuche, kritisierte Nationalrätin Katja Christ (GLP/BS). «Tierversuche würden nicht verhindert, sondern wie die Forschung selbst lediglich ins Ausland verlagert, wo hingegen weniger strenge Tierschutzgesetze gelten.»

Die Tier- und Menschenversuchsverbots-Initiative will ein generelles Verbot von Versuchen an Tier und Mensch in die Verfassung schreiben. Das Verbot betrifft auch den Import von Produkten, bei deren Entwicklung und Herstellung Tierversuche durchgeführt wurden. Lanciert wurde sie von einer Gruppe von Einzelpersonen und lokalen Politikern. Bundesrat, Parlament, Wirtschaftsverbände und auch der Schweizer Tierschutz lehnen sie als zu radikal ab.

Aktuelle Nachrichten