Abstimmung
Neunte Abstimmung über die Kantonszugehörigkeit: Moutier wechselt vom Kanton Bern zum Kanton Jura

Die Mehrheit der Stimmberechtigten hat sich am Sonntag für den Kantonswechsel ausgesprochen. Der Ja-Anteil beträgt 54,85 Prozent. Damit wird Moutier jurassisch.

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Tausende Pro-Jurassier versammelten sich in Moutier auf dem Bahnhofplatz.

Tausende Pro-Jurassier versammelten sich in Moutier auf dem Bahnhofplatz.

Bild: Keystone

(agl/abi) Moutier wird jurassisch. Insgesamt sprachen sich am Sonntag 2114 Personen für den Kantonswechsel aus, 1740 Personen wollten im Kanton Bern bleiben. Der Ja-Stimmenanteil beträgt 54,85 Prozent. Mit 374 Stimmen Unterschied fällt das Ergebnis deutlicher aus, als bei der letzten Abstimmung im Jahr 2017.

Die jurassische Regierung begrüsse das Ergebnis der Abstimmung, teilte sie am Sonntag mit. Sobald es in Kraft getreten sei, werde es das Ende der Jura-Frage aus institutioneller Sicht markieren. Der Kanton kündigte an, nun mit der Arbeit zu beginnen, um Moutier willkommen zu heissen. Das Zieldatum sei der 1. Januar 2026. Der Berner Regierungsrat teilte seinerseits mit, dass er das Ergebnis zur Kenntnis genommen habe. Er bedaure den Entscheid, rufe aber alle Beteiligten zur Zurückhaltung auf und erwarte, dass der demokratische Entscheid respektiert werde.

Die Frage ob Bern oder Jura beschäftigt die Bevölkerung von Moutier schon lange. Moutier hat am Sonntag bereits zum neunten Mal über die Kantonszugehörigkeit abgestimmt. Die letzte Abstimmung fand im Jahr 2017 statt. 51,7 Prozent sagten damals Ja zum Wechsel vom Kanton Bern in den Kanton Jura, die Differenz betrug nur 137 Stimmen. Die Abstimmung wurde 2019 wegen Unregelmässigkeiten jedoch für ungültig erklärt. Es ging unter anderem um Abstimmungstourismus, fiktive Wohnsitznahmen und Mängel bei der Organisation des Urnengangs.

Keystone-SDA

Grosse Vorsichtsmassnahmen und trotzdem Zweifel

Deshalb waren die Vorsichtsmassnahmen für die erneute Abstimmung nun auch besonders streng. Die Gemeinde Moutier, die Kantone Bern und Jura sowie der Bund haben zusammen entschieden, das Stimmregister akribisch zu überprüfen. Zahlreiche Briefe wurden verschickt, um die Wohnsituation von einzelnen Personen zu überprüfen. Auch für die Abstimmung selbst griff der Bund ein. So verschickte er die Abstimmungsunterlagen direkt, sämtliche Abstimmungszettel waren mit einem Wasserzeichen versehen. Und auch Abstimmungsbeobachter, die sonst meist im Ausland zum Einsatz kommen, wurden erneut aufgeboten.

Trotz all dieser Sicherheitsmassnahmen kamen am Tag vor der Abstimmung erneut Zweifel über die Richtigkeit des Stimmregisters auf. Die Juradelegation des Berner Regierungsrats erklärte daher in einer Mitteilung, dass die Kontrolle des Stimmregisters «bis zum Abstimmungssonntag und danach bis zum Inkrafttreten des Abstimmungsergebnisses» fortgeführt werde. Die Wahlbeobachter des Bundes meldeten ihrerseits am Sonntagabend, dass sie keine Unregelmässigkeiten festgestellt hätten.

Bei der vorletzten Abstimmung im Jahr 2013 lehnte der Berner Jura den Kantonswechsel zum Kanton Jura ab. Moutier hatte der Fusion als einzige Gemeinde des Berner Juras jedoch mehrheitlich zugestimmt. Damit war das Projekt eines neuen Kantons, gebildet aus dem Kanton Jura und der Region Berner Jura im Kanton Bern, vom Tisch. Den einzelnen Gemeinden des Berner Juras wurde jedoch die Möglichkeit gelassen, auf kommunaler Ebene erneut über einen Kantonswechsel zum Jura abzustimmen.

Keystone-SDA