Abstimmung
Die Schweiz sagt Ja: «Ehe für alle» wird deutlich angenommen

Die Hochzeitsglocken können läuten: Die Schweizer Stimmbevölkerung hat die «Ehe für alle» mit 64,1 Prozent der Stimmen deutlich angenommen. Alle Kantone haben Ja gesagt.

Alice Guldimann
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Bald können gleichgeschlechtliche Paare auch in der Schweiz zivil heiraten. (Symbolbild)

Bald können gleichgeschlechtliche Paare auch in der Schweiz zivil heiraten. (Symbolbild)

Keystone

Nach einem langen politischen Weg ist die «Ehe für alle» auch in der Schweiz beschlossene Sache. Die Stimmbevölkerung hat am Sonntag eine Änderung des Zivilgesetzbuches mit 64,1 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Die Stimmbeteiligung beträgt 52,6 Prozent. «Die Ehe für alle war praktisch nicht bestritten», sagte Politikwissenschaftler Lukas Golder von gfs.bern gegenüber SRF. Die umstrittene Samenspende für lesbische Paare habe nicht gereicht, um diesen Grundkonsens zu kippen.

Alle Kantone haben die Vorlage am Sonntag angenommen. Am deutlichsten war die Zustimmung im Kanton Basel-Stadt mit 74 Prozent Ja-Stimmen. Am knappsten wurde es in Appenzell Innerrhoden mit einer Zustimmung von 50,8 Prozent. Dennoch sagte Lukas Golder: «Wir sehen keine Spaltung zwischen Stadt und Land.» Die Ehe für alle sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Mit dem geänderten Gesetz können künftig auch gleichgeschlechtliche Paare zivil heiraten. Sie sind damit heterosexuellen Ehepaaren institutionell und rechtlich gleichgestellt. So können sich mit der Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare künftig ausländische Ehepartner erleichtert einbürgern lassen. Gleichgeschlechtliche Ehepaare können zudem gemeinsam ein Kind adoptieren und lesbische Paare erhalten Zugang zur Samenspende. Der Status der eingetragenen Partnerschaft, der gleichgeschlechtlichen Paaren seit 2007 offensteht, wird abgeschafft.

Samenspende für lesbische Paare sorgte für Kritik

Grüne, SP, GLP, FDP und die Mitte unterstützten die «Ehe für alle». Der Staat dürfe Menschen nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von der Ehe ausschliessen, finden die Befürworter. Der Zugang zur Samenspende für lesbische Paare sei die logische Konsequenz aus der rechtlichen Gleichbehandlung mit heterosexuellen Paaren. EVP, EDU und die SVP haben die Nein-Parole gefasst. Bei den Gegnern der Vorlage gibt es unterschiedliche Strömungen. Die einen befürworten die «Ehe für alle», lehnen aber Samenspenden für lesbische Paare ab. Für andere ist die Ehe als Begriff einer Verbindung zwischen Frau und Mann vorbehalten.

Bisher konnten gleichgeschlechtliche Paare in der Schweiz nicht heiraten, sondern lediglich eine eingetragene Partnerschaft eingehen. Diese wurde zwar in den letzten Jahren der Ehe rechtlich ähnlicher, es gibt aber nach wie vor Unterschiede. Konkret geht es um die Einbürgerung, die Adoption von Kindern sowie der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin.

Am 18. Dezember 2020 stimmten National- und Ständerat einer entsprechenden Änderung des Zivilgesetzbuchs zu, die die zivilrechtliche Ehe schwulen und lesbischen Paaren zugänglich machen will. Ein Komitee, vorwiegend aus Vertretern der SVP und der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU), hat dagegen das Referendum ergriffen.

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