50 Jahre Frauenstimmrecht
«Ein Sieg der Demokratie»: Politikerinnen und Vorkämpferinnen feiern im Bundeshaus

Vor 50 Jahren hat schliesslich auch die Schweiz das Frauenstimm- und Wahlrecht eingeführt. Dass die Männer den Schweizerinnen dies gewährten, strich der Bund in einer offiziellen Feier speziell hervor.

Samuel Thomi
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Hanna Sahlfeld-Singer, eine der ersten Nationalrätinnen, spricht bei der Frauenstimmrechts-Feier im Bundeshaus über über ihre Zeit.

Hanna Sahlfeld-Singer, eine der ersten Nationalrätinnen, spricht bei der Frauenstimmrechts-Feier im Bundeshaus über über ihre Zeit.

Keystone

Am 7. Februar 1971 haben die Schweizer den Schweizerinnen das Frauenstimm- und Wahlrecht zugestanden – als drittletztes Land Europas. Formell eingeführt wurde es bereits ein paar Wochen später, am 16. März 1971. Nun – coronabedingt etwas mehr als 50 Jahre später – hat auch der Bundesrat das historische Ereignis im Bundeshaus in Bern offiziell gefeiert.

50 Jahre Frauenstimm- und Wahlrecht wird im Nationalratssaal gefeiert.

Keystone-SDA

«Der 7. Februar 1971 ist die Geburtsstunde jener Demokratie, auf die wir heute zu Recht stolz sind», sagte Justizministerin Karin Keller-Sutter als Gastgeberin des Jubiläumsanlasses. «Ironischerweise» seien es dann aber die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Nachbarländern stark ausgebauten Volksrechte gewesen, die dazu führten, dass die Schweiz demokratisch zur Nachzüglerin wurde. Doch hätten schliesslich – wie einzig noch in Liechtenstein 1984 – die Schweizer den Schweizerinnen das Stimmrecht gewährt, betonte Keller-Sutter in ihrer Ansprache. «Das war ein Sieg der Demokratie.»

Befürworterinnen des Frauenstimmrechts werben vor der Abstimmung vom 7. Februar 1971 in Zürich für ein Ja zum Frauenstimmrecht.

Befürworterinnen des Frauenstimmrechts werben vor der Abstimmung vom 7. Februar 1971 in Zürich für ein Ja zum Frauenstimmrecht.

Keystone

Als einstige Vorkämpferin sagte Hanna Sahlfeld-Singer rückblickend: «Ich freue mich heute einfach nur!» Die 77-Jährige war eine der ersten zwölf Nationalrätinnen der Schweiz, trat nach der Wiederwahl in der ersten Session allerdings bereits wieder zurück. «Mein Mann und ich haben eindeutig zu viele Angriffsflächen geboten», blickte die St.Galler SPlerin zurück. Dies als Frau, Vertreterin einer Minderheitenpartei in dem Ostschweizer Kanton und mit einem Deutschen Pfarrer an ihrer Seite. Schliesslich habe sie «irgendwann einfach keine Kraft mehr» gehabt.

Heute politisch aktiven Frauen und Männern riet Hanna Sahlfeld-Singer: «Denkt ja nicht, dass eure Rechte vom Himmel gefallen sind!» Bereits sie habe seinerzeit gewusst, dass es auch für ihre politische Karriere schon viele Vorkämpferinnen gab. Und Sahlfeld-Singer warnte alle heute politisch Aktiven: «Es kann immer wieder Rückschritte geben.»

Bundespräsident Parmelin: «Zeichen der Zeit erkannt»

«Dank der Frauenbewegung wurden auch in der Schweiz die Zeichen der Zeit erkannt», sagte Bundespräsident Guy Parmelin. Und der Waadtländer Bundesrat ergänzte, dass sein Kanton bereits zuvor – 1959 – als erster das Frauenstimm- und Wahlrecht einführte, erfülle ihn mit Stolz. Dass mit dem wahren Nachzügler – dem Kanton Appenzell Innerrhoden – ein kleiner Teil der Schweizerinnen jedoch bis 1990 auf ihr Mitbestimmungsrecht warten mussten, erwähnt der Bund in seiner Mitteilung zur Jubiläumsfeier nicht.

Laut Justizdepartement haben an dem online übertragenen Jubiläumsanlass 150 Vertreterinnen und Vertreter von Bund und Kantonen, der Justiz, Wissenschaft sowie von Frauenorganisationen teilgenommen. Auch Vertreterinnen der Pioniergenerationen sowie Jungbürgerinnen und Jungbürger waren im Bundeshaus zugegen.

Kämpferische Stimmung auf dem Bundesplatz. (Bild: Keystone/PHOTOPRESS-ARCHIV/JOE WIDMER)
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Klare Worte. (Bild: Keystone/PHOTOPRESS-ARCHIV/JOE WIDMER)
Emilie Lieberherr ergreift das Wort. (Bild: Keystone/PHOTOPRESS-ARCHIV/JOE WIDMER)
Auf dem Weg zum Bundeshaus. (Bild: Keystone/PHOTOPRESS-ARCHIV/WIDMER)
Das Pfeifkonzert galt all den Männern, die seit Jahrzehnten dem Frauenstimmrecht Hindernisse in den Weg legten. (Bild: Keystone/JOE WIDMER)
Grosser Andrang in der Berner Innenstadt. (Bild: Keystone/STR)

Kämpferische Stimmung auf dem Bundesplatz. (Bild: Keystone/PHOTOPRESS-ARCHIV/JOE WIDMER)

Das letzte Land in Westeuropa, welches das Frauenstimmrecht noch immer nicht eingeführt hat, ist übrigens der Vatikan. In dem Kirchenstaat in Rom sind bis zum heutigen Tag nämlich alle Versuche gescheitert, dass Ordensschwestern in den Synoden ebenfalls mitbestimmen dürfen.

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