Wer geht, wer sich freut
«Andere kaufen einen Vogel, Elon Musk Twitter»: Die Milliarden-Übernahme lässt die Emotionen hoch gehen

Die Übernahme von Twitter durch Elon Musk versetzt die Community in Aufruhr. Während sich die Schweizer Comedyszene zurückhält, drohen linke User mit einem Exodus vom Kurznachrichtendienst. Bei den rechten Nutzern herrscht Schadenfreude.

Drucken
Elon Musk schüttelt das Twitter-Universum mit seinem Kauf des Kurznachrichtendiensts am Dienstag gehörig durch.

Elon Musk schüttelt das Twitter-Universum mit seinem Kauf des Kurznachrichtendiensts am Dienstag gehörig durch.

Keystone

Viele Twitter-Nutzer hatten bis im letzten Augenblick nicht geglaubt, dass Elon Musk die Kurznachrichten-Plattform tatsächlich übernehmen könnte. Umso grösser der Schock nach Bekanntwerden des Deals: Der TV-Komiker und Twitter-Star Jan Böhmermann bringt die Stimmungslage in seinem Milieu in einem Satz auf den Punkt:

Und der Deutsche liefert auch gleich die wohl nicht ganz ernst gemeinte Antwort mit, wie Europa auf die unfreundliche Übernahme durch den südafrikanischen Milliardär regieren könnte:

Etwas trivialer die ersten Reaktionen auf Musks jüngsten Einkauf aus der Schweizer Kulturszene:

Zurückhaltend präsentieren sich derweil die Kampftwitterer Mike Müller und Viktor Giacobo. Während erster schweigt, retweetet zweiter die Meldung des US-amerikanischen Filmschaffenden Rob Reiner:

Bei Hazel Brugger herrscht auf Social Media derzeit eine Schaffenspause. Dies nachdem sich die Comedienne nach ihrer Mutterschaft ein Time-out nahm. Und auch beim Schaffhauser Komiker Gabriel Vetter ist auf Twitter noch immer tote Hose. Der Account des beliebten Akkordtwitterers war im Februar wegen eines vermeintlichen Identitätsbetrugs gesperrt worden.

Immerhin Satiriker Dominic Deville erinnert die Community am Montag noch an den inzwischen in Basel wohnhaften Vetter:

In der Schweiz wie auch international drohen derweil Twitter-Nutzer am Dienstag mit einem Boykott. Und einige kündigen an, ihre Accounts stillzulegen. Der Hashtag dazu: #Bye

Grund dafür ist die Ankündigung Elon Musks, dass Twitter sich in Zukunft wieder am Prinzip der Meinungsfreiheit orientieren werde, wie er – logischerweise auf Twitter – schreibt:

Und dann stellt Elon Musk auch gleich klar, wie absolut er dies meint – an seinem eigenen Beispiel. Er hoffe, dass seine Kritiker auf Twitter blieben, denn genau darum gehe es bei der Meinungsäusserungsfreiheit.

Der 50-jährige Chef von Tesla und SpaceX, der seine globale Unternehmerkarriere als Mitgründer des Bezahldienstes Paypal begonnen hatte, hat sich mit dem Verwaltungsrat von Twitter auf eine Übernahme des Kurznachrichtendienstag geeinigt. Nun müssen die Aktionäre über den Verkauf ihrer Aktien an Elon Musk entscheiden. Am Montag hatte Twitter seinen Widerstand gegen die Übernahme aufgegeben.

Der neue Besitzer will Twitter nach der angekündigten Übernahme von der Börse nehmen. Der Tesla-Milliardär verspricht mehr Redefreiheit und ein neues Geschäftsmodell. Dazu, wie das konkret laufen soll, gibt es aber noch viele offene Fragen.

Was sind Musk Pläne?

Twitter hatte sich jahrelang geweigert, umstrittene Tweets zu löschen und sich dabei auf die Meinungsfreiheit berufen. Zu Beginn der Covid-19-Pandemie wurde diese Praxis dann aber geändert und es wurde gezielt gegen mutmassliche Falschinformationen vorgegangen.

2021 ist sogar der Account des damals noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump gelöscht worden. Für dessen Anhänger ist Elon Musks nun bekanntgewordene Übernahme-Deal darum ein Befreiungsschlag:

Trump hat mittlerweile aber angekündigt, er werde nicht auf Twitter zurückkehren. Trotzdem herrscht Schadenfreude über das Entsetzen jener linken User, die ihren rechten Mit-Twitterern in der Vergangenheit gerne nahegelegt hatten, doch einfach die Plattform zu verlassen, wenn ihnen deren Policy nicht passe:

Auf der anderen Seite befürchten linksorientierte User, mit Elon Musk als Besitzer würden nun Heerscharen von rechtsextremen Nutzern ins Twitter-Universum einwandern wollen. So textet User Karl Kevlar über einem Bild eines rechtsextremen Fackelmarschs: «Twitter-Neuanmeldungen.»

Während in ersten Stellungnahmen vor allem in den amerikanischen Twitter-Bubbles die Emotionen hochgehen, nehmen es andere mit Humor, wie dieser österreichische Satirekanal:

(mg/wap/sat)