Dieses Mal nahm Oswald Grübel die Treppe und nicht den Lift, um im zweiten Stock des UBS-eigenen Konferenzzentrums den ersten Konzerngewinn seit drei Jahren zu verkünden. Bislang mied Grübel die Treppe, weil seine Vorgänger Marcel Ospel, Peter Wuffli und Marcel Rohner ihre Karriere beenden mussten, jeweils kurz nachdem sie auf der Treppe fotografiert wurden.

Natürlich ist das nicht von Bedeutung, aber es ist ein starkes Symbol. Für das Wiedererstarken der wichtigsten Schweizer Bank.

«Viel Arbeit»

In Zahlen heisst wieder erstarkt: Die UBS hat 2010 einen Reingewinn von 7,2 Milliarden Franken erwirtschaftet. Dies nach einem Verlust von 2,7 Milliarden im Vorjahr. Damit hat die UBS im letzten Jahr gegen 10 Milliarden besser gearbeitet als 2009. Jeden einzelnen Tag - Sonntag inklusive - hat sie sich damit um 27 Millionen Franken verbessert.

Trotz dieser Leistung ist Grübel nicht wirklich glücklich. Er qualifiziert das Ergebnis nüchtern als «nicht ganz zufriedenstellend». Dies vor allem deshalb, weil das vierte Quartal «die hohen Standards, die wir überall wollen», nicht erfüllt habe. Er habe noch «viel Arbeit» vor sich. Namentlich das Geschäft mit reichen Kunden in den USA mit einem Vorsteuerverlust von 33 Millionen Franken und das Investmentbanking mit einem Mini-Gewinn von 75 Millionen wird auch von Analysten als ungenügend taxiert. Insgesamt hat die UBS im letzten Quartal 1,3 Milliarden Franken verdient.

Im Einzelnen haben die verschiedenen Geschäftsfelder der UBS unterschiedlich zum Gewinn beigetragen:

Vermögensverwaltung: Im Geschäft mit reichen Kunden, das auch das Schweizer KMU- und Kleinkundengeschäft umfasst, hat die UBS einen Vorsteuergewinn von 4,1 Milliarden erreicht - ein Plus von 5 Prozent. Allerdings hat die Bank in diesem Bereich über das gesamte Jahr betrachtet Kundengelder in Höhe von über 12 Milliarden Franken verloren. Zwar konnte der Abfluss in den letzten beiden Quartalen gestoppt werden, was Grübel «optimistisch» stimmt. Aber: In Europa ist das Vertrauen der Kunden noch nicht zurück; hier verliert die UBS nach wie vor Gelder. Immerhin werden diese Abflüsse durch Zuflüsse in Asien und von superreichen Kunden weltweit kompensiert.

Investmentbanking: Das Geschäft mit komplizierten Finanzprodukten oder mit Börsengängen und Unternehmensfinanzierungen - überwiegend in den USA und in London angesiedelt - war in den letzten Jahren ein Verlustloch. Der Bereich hat die UBS fast zum Kollaps geführt. 2010 wurde die Trendwende geschafft. Statt eines Vorsteuerverlusts von 6 Milliarden resultierte ein entsprechender Gewinn von 2,2 Milliarden Franken. Das reicht Grübel nicht. Er sagte, dass er das Geschäft weiter umbauen wolle: «In fünf Jahren wird das Investment Banking ganz anders aussehen.» Unter anderem könnte er das Geschäft ganz aus der Schweiz ins Ausland verlagern. Ohnehin ist das Investment Banking darauf angewiesen, dass die Kunden wieder Appetit auf Risiko bekommen. Grübel sieht entsprechende Anzeichen: «Momentan haben alle die Nase voll von der Krise.»

Dividende: weiterhin Fehlanzeige

Im Nach-Krisen-Jahr 2010 hat die UBS zudem ihre Kapitalkraft verstärkt. Die so genannte Kernkapitalquote - der wichtigste Puffer gegen Rückschläge - ist von 15,4 Prozent per Ende 2009 auf 17,7 Prozent angestiegen. Das ist noch nicht so viel, wie nach den neuen Regeln erforderlich ist. Aber für dieses Ziel haben die Banken auch noch Zeit.

So lange allerdings gucken die UBS-Aktionäre in die Röhre. Sie erhalten keine Dividende. Grübel verteidigte diese umstrittene Politik: «Dividenden zahlen und gleichzeitig Kapital aufbauen, macht keinen Sinn. Überhaupt keinen Sinn. Auch für unsere Aktionäre nicht.»