Sieg gegen Frankreich
Es gibt keine Wunder: Was wir von den Nati-Stars für unser Leben lernen können

Nun schreiben wieder alle vom Wunder. «Das Wunder von Bukarest», «Schweizer Wunder geschehen». Der Sieg muss anders erklärt werden. Eine Lektion fürs Leben.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Sie waren immer überzeugt: Wir werden jubeln.

Sie waren immer überzeugt: Wir werden jubeln.

Claudio De Capitani / freshfocus

Ich gebe es zu, nach dem wunderschönen 3:1 der Franzosen habe ich nicht mehr an einen Schweizer Erfolg geglaubt. Gut gespielt, aber am Ende reichte es eben doch nicht. So war es bisher immer, wenn die Schweiz an einer Endrunde in den Achtelfinal kam. Doch dieses Mal, als bereits alle Hoffnung gestorben war, geschah das Unmögliche. Am Ende jubelt die Schweiz. Dramaturgisch war dieses Spiel perfekt: Anders als in einem Hollywoodfilm kommt das Happy End unerwartet und knallt somit voll rein. Weil wir nicht mehr damit gerechnet haben, euphorisiert uns dieser Sieg umso mehr.

Vom «Wunder von Bukarest» schreiben die Medien. «Schweizer Wunder geschehen» titelte die NZZ. Ja, für uns wirkt dieser Sieg wie ein Wunder. Doch das ist bloss die Aussenperspektive. Für die Helden auf dem Platz war es alles andere als ein Wunder. Anders als wir, haben sie stets mit jeder Faser ihres Körpers daran geglaubt, dass sie das Spiel noch drehen können. Nur so war es möglich. Ohne übersinnliches Zutun, alleinig mit menschlicher Kraft. Für die Recken war es nur logisch, dass sie am Ende jubeln werden. Sonst wäre es nicht passiert. Helden glauben an das Unmögliche und das Unmögliche wird möglich. Zuschauer geben die Hoffnung auf und werden überrascht.

Da wir alle Helden unseres eigenen Lebens und nicht bloss Zuschauer sind, mögen uns die Fussballer um Xhaka, Sommer und Co. als Lehrmeister dienen: Es gibt keine Wunder, aber den Glauben, der Berge versetzt.