Rücktritt
Er wirkte wie ein Versprechen für die Partei: Der Abgang von SVP-Nationalrat Hans-Ueli Vogt kommt zur Unzeit

Die SVP hat Mühe, gut gebildete und gut situierte städtische Wähler anzusprechen. Nur wenige Exponenten sind dazu imstande, etwa Nationalrat Hans-Ueli Vogt. Dass dieser nun seinen Rücktritt ankündigt - und wie er dies tut -, ist kein gutes Zeichen für die Volkspartei.

Francesco Benini
Francesco Benini
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Nationalrat und Rechtsprofessor Hans-Ueli Vogt (SVP) zieht sich aus der nationalen Politik zurück.

Nationalrat und Rechtsprofessor Hans-Ueli Vogt (SVP) zieht sich aus der nationalen Politik zurück.

Severin Bigler / LTA

Mitte Februar wählen die Stimmberechtigten der Stadt Zürich die Mitglieder der Regierung und des Parlaments. Für die SVP ist die Ausgangslage schwierig, denn die Partei ist in Zürich nicht eben stark. Vor vier Jahren kam sie auf einen Wähleranteil von 13 Prozent.

In Zürich setzt der vorweihnachtliche Wahlkampf ein. Das Letzte, was eine Partei nun brauchen kann, sind negative Meldungen in den Medien. Ausgerechnet jetzt erklärt Nationalrat Hans-Ueli Vogt seinen Rücktritt aus dem Bundesparlament.

Es gibt drei Stadtzürcher SVP-Politiker, die man im Rest des Landes kennt: Alfred Heer, Mauro Tuena und Hans-Ueli Vogt. Letzterer kritisiert im «Tages-Anzeiger» seine Partei zwar vorsichtig, aber doch deutlich: Die SVP politisiere wie die SP programmatisch, nicht konstruktiv. Diese Art zu arbeiten, entspreche nicht seinem Naturell, meint Vogt.

Als Universitätsprofessor, der aus seiner Homosexualität kein Geheimnis macht, ist Vogt ein ungewöhnlicher Exponent der Partei. Er steht für eine gut gebildete und gut situierte städtische Schicht, bei der die SVP nicht viele Anhänger hat.

Vogt wirkte wie ein Versprechen für die Partei, dass sie in neue Kreise vorstossen könnte.

Die Polemik, welche die SVP unlängst gegen die Städte anzettelte, kann man nun aber als Preisgabe des Plans verstehen. Parteipräsident Chiesa sagt zwar, seine Attacke richte sich alleine gegen städtische Behörden. Was in der Bevölkerung ankommt, ist jedoch eine Kritik an der städtischen Lebensart.

Der Abgang Vogts, der im früheren Stadtzürcher Industriequartier wohnt, kommt so gesehen zur richtigen Zeit. Würde er Schaden von der SVP abhalten wollen, hätte er seinen Rücktritt erst im März bekannt gegeben.

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