Medienkolumne
Apple erlebt gerade einen Mauerfall

Der Zaun, der wird löcherig. Nun können Apple-Nutzer auch in der freien Internetwelt Abos für iPhone-Apps lösen. Das ist erst der Anfang. Mauern haben keine Zukunft.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Die Mauer fällt: Berlin 1989.

Die Mauer fällt: Berlin 1989.

Keystone

Vor 60 Jahren baute die DDR mitten durch Berlin eine Mauer, die den kommunistischen Osten vom freien Westen trennte. Sie sorgte für viel Leid, doch hatte sie keinen Bestand: 1989 wurde sie geschleift.

Vor 13 Jahren errichtete Steve Jobs eine Mauer, welche die Apple-Jünger vom freien Internet trennte. Sie spülte dem Konzern viel Geld in die Tasche, doch sie hat keinen Bestand. 2022 wird sie eingerissen.

Diese Woche kündigte Apple an: Zeitungen, Streaming-Dienste und andere Medien dürfen ab nächstem Jahr ihre Nutzer auch auf die andere Seite der Mauer leiten, um Abos für iPhone-Apps im freien Internet abzuschliessen. Somit entfällt die Gebühr von 15 bis 30 Prozent, welche die App-Anbieter heute an Apple ­abliefern müssen.

In Südkorea wurde Apple zu diesem Schritt gezwungen. Der Konzern geht in die Offensive und passt die Regelungen global an. Es ist erst ein Teilerfolg im Mauerstreit. Denn Games und Einzelverkäufe in Apps sind davon ausgenommen. Vorerst. «Fortnite» hat in einem aufsehenerregenden Prozess in dieser Sache schon länger gegen Apple geklagt. Nächste Woche wird das Urteil erwartet. Gut möglich, dass die Mauer weiter abgetragen wird.

Mauern haben keine Zukunft. Trump hat es nicht geschafft, seine viel gepriesene «Wall» an der Grenze zu Mexiko hochzuziehen. Die Chinesische Mauer ist ein Relikt. Und selbst die «Great Firewall», die chinesische Internetnutzer von der Welt abschirmen soll, ist löchrig wie Emmentaler.

Es lebe die Freiheit.

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