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Freispruch mit Einspruch: Der SRG-Verwaltungsrat hat im Fall Marchand nicht einstimmig entschieden

Die RTS-Sexismus-Affäre, die SRG-Generaldirektor Gilles Marchand unter Druck brachte, ist vorerst vom Tisch. Nicht aber die Diskussion, ob bei der Bewältigung rechtliche oder moralische Kriterien im Vordergrund stehen sollen.

Christian Mensch
Christian Mensch
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Gilles Marchand, Generaldirektor SRG

Gilles Marchand, Generaldirektor SRG

Peter Schneider / Keystone

Gilles Marchand ist SRG-Generaldirektor und er wird es bleiben. Dies hat der SRG-Verwaltungsrat entschieden, nachdem er sich über einen externen Bericht gebeugt hatte. Deren Autoren untersuchten, ob Marchand im Zusammenhang mit den sexuellen Belästigungen bei TSR seine Pflichten verletzt habe.

Hat er nicht, befand der Verwaltungsrat – wenn auch nicht einstimmig, wie gut informierte Quellen wissen. Die Differenz bestand nicht in der Feststellung, was Marchand getan oder gelassen hat, sondern darin, ob für die Beurteilung vor allem rechtliche oder moralische Kriterien zur Anwendung kommen. Eine Gegenstimme gewichtete Zweites höher.

Aufregung entstand, weil der Verlauf der Entscheidfindung trotz vereinbarter Vertraulichkeit schnell auch Marchand zugetragen wurde. Dass ein CEO über informelle Kanäle verfügt, um zu wissen, wer wie im Verwaltungsrat argumentiert, versteht sich von selbst. Unschön bloss, dass dieses Geschäft nicht eine der vielen SRG-Baustellen betraf, sondern Marchand selbst.

Nun fragt sich mancher in den SRG-Gremien besorgt, was dies alles wohl zu bedeuten hat: für den Verwaltungsrat, für Marchand. Für das Verhältnis zwischen RTS (Romandie) und SRF (Deutschschweiz), zwischen Frauen und Männern, zwischen Recht und Moral. Bei der SRG werden nun die relevanten gesellschaftlichen Themen diskutiert.

Echter Service public, wenn auch hinter verschlossenen Türen.