Leserbrief
Wo bleibt denn jetzt der Mehrwert für Cham?

«Kanti Ennetsee ist vorerst vom Tisch, Ausgabe vom 11. Februar

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Überrascht und sehr erfreut nehme ich das klare Resultat zur Kenntnis. Damit habe ich nicht gerechnet, obschon im Vorfeld mehrere Gründe für ein Nein zu erkennen waren: Naherholungsgebiet und Verkehrsaufkommen gehören dazu.

Damit hätte ich leben können – mein Nein hatte einen völlig anderen Grund. Einen Grund, den andere möglicherweise auch auf der Rechnung hatten, ohne sich zu trauen, dafür einzustehen. Ich tue es, denn ich will nicht, dass ein sehr wichtiges Argument bei der Analyse nur nebenbei erwähnt oder möglicherweise ganz vergessen wird.

Mir passt es nicht, dass der Prozentsatz der akademisch Ausgebildeten unaufhörlich steigt. Auch die schleichende Verakademisierung des Berufslebens stört mich sehr. Ich frage mich, ob es eines Tages einen Techniker mit abgeschlossenem Hochschulstudium brauchen wird, um einen Wasserrohrbruch zu beheben – nur deshalb, weil potenziell tüchtige Handwerker lieber (notfalls mit «hängen und würgen») an die Kantonschule mit nachfolgendem Studium gehen, als eine Berufslehre anzutreten.

Ich habe deshalb Nein gesagt, weil ich im Kanton Zug keine zusätzlichen Kantonsschulplätze will. Die Nachfrage hat sich dem Angebot anzupassen. Es gibt heute genügend Kantonsschulplätze – diese sollen per Numerus clausus an die besten Bewerbenden vergeben werden.

Peter Büel, Cham


Bravo Cham! Die Mehrheit der Bewohner in Cham lehnt den Neubau Kanti Ennetsee ab. Die regierungsrätliche Zwängerei und das Millionengeschenk des Gemeinderates Cham finden nicht statt. So funktioniert Demokratie ab und zu auch als weise Lenkerin staatlichen Wandelns. Wenn städteplanerische Lösungen gesucht werden, reden die Räte immer davon, dass jetzt verdichtet werden müsse. Also bitte: Verdichten Sie die bestehende Kanti in Zug! Das ist zwar weniger spektakulär als ein prestigeträchtiger Neubau vor allem zur Selbstbeweihräucherung regierungsrätlicher Funktionäre und untergeordneter Chefbeamten, wäre aber näher an regierungsrätlichen Werbereden vor Wahlen und deshalb glaubwürdiger. Oder gilt das aus politischen Fehlplanungen resultierende postulierte Zusammenrücken im Quartier nur für Private in weniger privilegierten Quartieren?

Ruedi Beglinger, Allenwinden


Grossartig rühmen sich einige älteren Weisen von Cham «Verein Mehrwert Cham». Der sogenannte Verein war federführend beim Abstimmungskampf um die Umzonung für eine Kantonschule in Cham und grossmehrheitlich verantwortlich für das knappe Nein.

Es ist nun sicher die Frage erlaubt, was jetzt der Mehrwert für Cham ist. Ist es das Cham, das mit 99-prozentiger Sicherheit in den nächsten Jahrzehnten über keine Mittelschule verfügen wird. Ist es die grosse Errungenschaft das weiterhin knapp 50 Prozent, die die Chamer Kantischüler am Anteil der Mittelschulschüler aus dem Ennetsee ausmachen, täglich von Cham wegpendeln müssen. Oder ist der grosse Mehrwert, die 4 Millionen Franken Grundstückgewinnsteuer, die jetzt nicht in die Gemeindekasse fliessen und demzufolge auch nicht für die Sanierungen von gemeindeeigenen Schulanlagen zu Verfügung stehen.

Der Gipfel der Scheinheiligkeit ist aber der Kommentar von Markus Jans, alt SP-Kantonsrat und treibende Kraft, dass der Verein nichts gegen eine Kantonschule in Cham habe. Der Regierungsrat und der Gemeinderat seien jetzt gefordert, einen alternativen Standort zu finden. Dies nach dem Markus Jans nur zu gut bekannt sein sollte, wie unwahrscheinlich dies ist, wie lange so ein Prozess dauert, und dass die Zeit drängt.

Sorry – aber wenn man sich so gegen ein Zukunftsprojekt von grösster Bedeutung für Cham und den gesamten Ennetsee starkmacht, muss man danach aber auch die Grösse haben, die Verantwortung für das Nein tragen.

Walter Birrer, SVP-Kantonsrat 2006 bis 2018, Hagendorn

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