Leserbrief
Wir bleiben beim Ensemble-Theater mit drei Sparten

«Künftig nur Gastspiele am Theater?», Ausgabe vom 12. Juni und Kommentar «Zukunft des Luzerner Theaters: Bitte kein ‹Theater light›», Ausgabe vom 13. Juni

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In seinem Kommentar «Zukunft des Luzerner Theaters: Bitte kein ‹Theater light›» nimmt Robert Knobel die politische Debatte über das künftige Betriebsmodell des Luzerner Theaters auf, über welches in dieser Zeitung ausführlich berichtet wurde.

Diese Diskussion ist nötig und zeigt das Interesse der Politik an der Ausrichtung des künftigen Theaters. Auch die Kostenfrage muss immer wieder gestellt werden. Aber diese Fragen dürfen nicht zu kurz greifen. Ein Gastspielhaus nach dem Winterthurer Modell mag zwar günstiger sein, aber passt es zu Luzern?

Luzern ist eine Kulturstadt von nationaler, sogar internationaler Ausstrahlung. Bei der Planung des neuen Luzerner Theaters dürfen wir deshalb den Blick auf das Ganze nicht aus den Augen verlieren. Was ist das Ziel des neuen Theaters? Was wollen wir damit erreichen? Das sind für mich die übergeordneten Fragen. Das Theater soll auch den Ruf von Luzern als Kulturstadt stärken. Qualität muss bei allen Entscheidungen ein zentrales Kriterium sein. Das Theater soll ein Renommee weit über die Luzerner Stadtgrenzen geniessen; damit meine ich das Gebäude wie auch die inhaltlichen Darbietungen. Es soll ein offenes Haus sein, Optionen bieten, auch in Zukunft. Denn wer weiss schon, welches Betriebsmodell in 10 bis 20 Jahren das Richtige ist! Qualität wird sich langfristig immer bewähren, siehe KKL.

Andreas Buholzer, Luzern


Grundsatzdebatten wie «Welches Theater brauchen wir» können neue Wege aufzeigen, aber auch ganz falsch laufen, wenn sie nur vom verengten Blickwinkel der Finanzen geführt werden. Das zeigt der Vorstoss im Kantonsparlament, der einen Gastspielbetrieb für das Luzerner Theater nur aufgrund des Einsparpotenzials vorschlägt. Das Theater Winterthur kostet dreimal weniger, also wäre dieses Betriebsmodell doch etwas für Luzern.

Wollen wir das? Ein Blick auf den neuen Spielplan 2020/21 in Winterthur gibt die Antwort und zeigt, was ein Gastspielbetrieb bedeutet. Nehmen wir nur zwei der meist in Deutschland eingekauften Produktionen: «Turandot» vom Landestheater Dortmund und «Brandstifter» vom Staatsschauspiel Dresden. Beide werden in Winterthur nur zwei resp. drei Tage hintereinander gespielt und schon sind sie wieder weg, ohne den geringsten Bezug zum Ort und den Leuten. Jeder Franken für ein Gastspieltheater dieser Art in Luzern wäre einer zuviel.

Ganz anders hier: Benedikt von Peter und seine Crew nehmen die Stadt als Teil einer Inszenierung mit ins Spiel und suchen einen ganz direkten Kontakt zur Bevölkerung. Erinnern wir uns an den Paukenschlag von 2016: «Prometeo» mit der Holztreppe und dem Globe Theatre, unvergesslich der «Rigoletto» in der Viscosistadt, «Jedermann» vor der Jesuitenkirche, Tanz Luzerner Theater auf den Strassen und Plätzen. So geschieht Identifikation des Theaters mit Luzern und umgekehrt!

Diese bewusste Aufzählung von verschiedenen Stücken zeigt auch: Unser Mehrspartenhaus schafft Identifikation mit der Bevölkerung dank seinen eigenen Ensembles und seiner hauseigenen Produktionen. Die Winterthurer «Carmen», eingekauft von der Oper Dortmund, kann das nicht, wohl aber diese Stücke im Luzerner Spielplan 20/21, welche mit ihren originellen Spielorten die Stadt als eine grosse Bühne grandios bespielen: «Carmen», gespielt im Roten Haus, in der Luzerner Neustadt, auf dem EWL-Gelände; das Fussball(Schau)spiel «Happy End» im Stadion des FCL und das Tanzfestival Steps im Südpol.

Darum bleiben wir beim Ensembletheater mit Eigenproduktionen, wie es uns von Peter vorgemacht hat und beim Mehrspartenbetrieb, auch wenn er teurer ist. Kultur kostet, im Fall. Weiter soll dieses Theater ein ganz neuer Begegnungsort mit offenen Türen für alle werden und mit Auftrittsmöglichkeiten für viele. Deshalb nochmals «Carmen», wenn’s dann losgeht für das Neue Luzerner Theater: «Toréador, en garde!»

Philipp Zingg, Präsident Theaterclub Luzern

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