Leserbrief
Wir alle sind Rassisten

«Tausende protestieren in der Schweiz gegen Rassismus», Ausgabe vom 15. Juni

Merken
Drucken
Teilen

Hoffentlich rütteln uns die berechtigten Proteste gegen Rassismus weltweit und auch in der Schweiz auf. Ebenso liegt Diskriminierung jeglicher Art in der Nähe von Rassismus. Veränderung zum Guten verlangt aber von uns allen viel Auseinandersetzung und Engagement, ein Leben lang. Denn Gleichstellung von Frau und Mann in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik hat nichts mit Gleichmacherei zu tun. Verschiedene Kulturen sollen sich einander nicht angleichen müssen.

Es bleibt eine Gratwanderung, wünschbare nationale Tugenden hochzuhalten, nicht aber gleichzeitig in Nationalismus zu verfallen. Ebenso muss die Angst vor Überfremdung ernst genommen werden, ohne in Fremdenhass zu münden. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er zum Eigenschutz bei Konfrontation mit Unbekanntem oder Fremdem reflexartig Zurückhaltung übt oder gar Ablehnung zeigt. Machen wir uns nichts vor, wir alle haben schon unbedacht rassistisch oder diskriminierend reagiert. Es braucht viel Zeit und Engagement von jedem Einzelnen, solche lebenserhaltenden Reflexe zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern. Eine Daueraufgabe!

Franz Lampart, Hochdorf