Leserdebatte
Über Konkordanz und die Vertretung der Frauen

«Wahlpodium: Anwärter gaben rhetorisch Vollgas», Ausgabe vom 13. März

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Ich besuchte zwei Veranstaltungen zu den Regierungsratswahlen in der Stadt Luzern. Die Atmosphäre und Stimmung der beiden Podien hätten unterschiedlicher nicht sein können.

Das Podium vom 8. März im grossen Kirchenraum im Maihof fand am Frauentag statt. Es waren vier Frauen eingeladen, darunter die Regierungsratskandidatin Korintha Bärtsch. Die Leitung der Gesprächsrunde hatte Flurina Valsecchi.

«Wir sind noch lange nicht am Ziel» lautete der Titel zum Bericht über den Abend im Maihof. Das Bild in der Zeitung zeigt eine entspannte Frauenrunde bei Diskussionen zum Leben als Frau in der Gesellschaft, bei der Arbeit und in der Politik. Es war eine ernste und immer wieder humorvolle, lustvolle Auseinandersetzung im heutigen Dasein als Frau. Ich ging voller Energie und Freude nach Hause.

Zum Podium vom 12. März im Auditorium der Luzerner Zeitung an der Maihofstrasse waren alle acht Regierungsratskandidaten und die Kandidatin Korintha Bärtsch eingeladen. Moderiert wurde die Runde von den zwei Männern Jérôme Martinu und Christian Peter Meier. Auf dem Bild in der Zeitung sind neun Männer, Kandidaten und Moderator, an einer Theke zu sehen. Die einzige Frau, Kandidatin Korintha Bärtsch, steht daneben. Die Foto zeigt, dass die Gleichstellung an diesem Abend kein Thema war. Es machte mich betroffen, wie wenig Platz der einzigen Kandidatin geboten wurde. Ich verliess die Veranstaltung verärgert. Wir Frauen wünschen eine Vertreterin im Regierungsrat. Wir wollen auch im obersten Kader mitgestalten und mitpolitisieren. Korintha Bärtsch bringt alle wichtigen Voraussetzungen mit. Die Männerlastigkeit in der kantonalen Politik ist schwer zu verstehen und auszuhalten.

Ursula Schenkel, Luzern


Es bedurfte einer Rüge durch das Bundesgericht, damit der Regierungsrat seine Pflichten bei der Prämienverbilligung wahrnahm. Zum positiven Urteil des Bundesgerichts hat Jörg Meyer entscheidend beigetragen. Er stellte die grundlegenden Berechnungen an und hat daher einen grossen Anteil am Erfolg vor Bundesgericht. Auch dank Jörg Meyer sehen sich nun gegen 10000 Familien mit Kindern und Jugendlichen aus der Prämienfalle befreit.

Bruno Häfliger, Rechtsanwalt, Luzern


Vor vier Jahren hat die SP die Frauenquote in der Regierung eingefordert. Das Luzerner Volk wollte diese aber grossmehrheitlich nicht. Unermüdlich hat die SP vier Jahre lang die reine Männerregierung angeprangert. Nun hat sie selber einen Mann aufgestellt. Statt der Frauenquote muss jetzt als Argument für den Kandidaten der freiwillige Proporz hinhalten. Die Konkordanz scheint nun zum wichtigsten Scheinargument zu werden. Damit versuchen die Genossen, Teile der CVP unter ihre Fittiche zu bringen. Nun, mit der Konkordanz ist es so eine Sache: Jeder Partei bedient sich dieses Arguments, wenn es gerade nützen könnte – und keine Partei schert sich einen Deut darum, wenn es nicht in ihre Argumentationslinie passt. Geht so glaubwürdige Politik? Deshalb: Wählen Sie Persönlichkeiten des Vertrauens und der Verlässlichkeit.

Ruedi Troxler-Schwarzentruber, Büron


Der Artikel macht es deutlich: In den letzten vier Jahren war die Konkordanz in der Luzerner Regierung nicht gegeben: Weder von der Parteienstärke her noch waren Frauen vertreten. Das muss sich in der Zukunft ändern. Wir wollen wieder eine konstruktive und nachhaltige Politik und nicht Sparen um jeden Preis. Zwangsferien an Gymnasien und Berufsschulen darf es nie mehr geben. Ebenso sind schäbige Prämienverbilligungen für unseren Kanton unwürdig. Das wurde zum Glück durch das Bundesgericht korrigiert.

Für nachhaltige Lösungen müssen alle am Tisch sitzen. Deshalb wünsche ich mir durch die Wahl von Korintha Bärtsch von den Grünen am kommenden 31. März einen zweiten «Tag der Frau»! Wir Luzernerinnen wollen uns durch eine fachlich und politisch versierte Frau vertreten fühlen. Wie sagte Jörg Meyer: «Dass eine Frau in der Regierung fehlt, ist nicht mehr zeitgemäss.» Auch die SP gehört wieder an den Tisch.

Teres Graf, Luzern

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