Leserbrief
«Schuldzuweisungen braucht unsere Gesellschaft im Moment nicht»

Zur Coronakrise

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Ich gehöre auch zur Patientengruppe, die aufgrund ihres Gesundheitszustandes regelmässig den Hausarzt aufsuchen müssen. Da taucht im Moment die Frage auf, ist das für einen Patienten aus der Risikogruppe nicht gefährlich? (Und die Hausärzte haben leere Praxen.) Müsste da nicht eine klare Triage festgelegt und entsprechend publiziert werden: Die Hausärzte behandeln ausschliesslich alle anderen Kranken. Coronaverdächtige werden speziellen ärztlichen Zentren zugewiesen?

Peter Inauen, Oberkirch


Es ist unbestritten, dass wir in einer sehr grossen Krise stecken und davon die meisten Leute direkt betroffen sind. Die Solidarität aller war sehr gross am Anfang. Leider wurden in den letzten Tagen zunehmend Schuldige gesucht und für einige sind dies nun die Seniorinnen und Senioren. Das ist aus meiner Sicht falsch respektive sogar diskriminierend.

Die Senioren werden gebeten, zu Hause zu bleiben, und die meisten halten sich an die entsprechenden Empfehlungen. Und sie tun dies aus Solidarität – auch gegenüber den jüngeren Menschen.

Diejenigen, die jetzt so ohne Respekt die Seniorinnen und Senioren beschimpfen, haben wohl vergessen, wer während vieler Jahre für unseren Wohlstand und unsere Gesellschaft gearbeitet hat. Und auch jetzt – vor dem Lockdown – engagierten sich sehr viele ältere Menschen in der Freiwilligenarbeit für Organisationen, für Vereine, in den Klassenzimmern, beim Kinderhüten und noch viel mehr. Ist dies so schnell vergessen?

Ich bin überzeugt, nach der Krise sind alle wieder dankbar, wenn diese Freiwilligenarbeit wieder geleistet werden kann. Schuldzuweisungen und Schlechtmachen braucht unsere Gesellschaft im Moment nicht – bauen wir doch weiter auf die Solidarität. Denn nur gemeinsam werden wir auch die Zukunft anpacken.

Ida Glanzmann-Hunkeler, Nationalrätin CVP und Präsidentin Pro Senectute des Kantons Luzern


Die gegenwärtige Krisenzeit bietet auch Gelegenheit, über unsere zukünftige politische Ausrichtung nachzudenken. Sie führt uns drastisch vor Augen, wie sehr wir der «internationalen Gesundheit» ausgeliefert sind und in der Globalisierung keine Abschottung möglich ist.

Wenn ich daran denke, dass nach der Abschwächung der Krise wieder diskutiert wird, ob wir für unser kleines Land milliardenteure Kampfflugzeuge brauchen, dann sollte die jetzige Situation eine klare Antwort geben. Würden wir nicht die Stirn runzeln, wenn Baden-Württemberg (das etwa gleich gross ist wie die Schweiz!) oder das Piemont und das Burgund behaupteten, eine eigene Flugwaffe wäre dringend nötig?

Bei uns wurden, sobald das Virus flächendeckend ausgebrochen war, Menschen (Soldaten) gebraucht und aufgeboten, für den Kranken- oder Gesundheitsdienst (Spitäler usw.) und zur Verstärkung bei Grenz- und Polizeiaufgaben. So viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Nach dem Bewältigen der jetzigen Krise müssen wir (gemeint ist vor allem der Bund) wieder seriös unsere Vorräte aufstocken, eher Desinfektionsmittel und Schutzmasken (und nicht WC-Papier für das Hamstervolk). Und natürlich auch die finanziellen Reserven in allen Bereichen!

Das Sparen im Sinne der Vorsorge wird nach der Krise hoffentlich auch Bundesrätin Viola Amherd anders gewichten, als es männliche Kollegen mit ihren Klischees aus dem Kalten Krieg täten. Milliarden teure Kampfflugzeuge wirken in einem kleinen Land in jeder Beziehung unverhältnismässig.

Dominik Brun, Engelberg


Nach Ausbruch des Coronavirus überbieten sich Leserbriefschreiber mit Ratschlägen, was jetzt zu tun sei – in der Ausgabe vom 4. April zum Beispiel Cyrill Hotz und Marlies Fuchs. Dabei wissen wir alle nichts. So etwas gab es ja noch nie. Wie also wollen wir beurteilen, was angebracht ist und was nicht? Wer Schuld hat und wer nicht? Wen die Ärzte retten sollen und wen nicht?

Die Würde des Menschen ist unantastbar, so viel ist klar. Wichtig scheint mir in diesen Zeiten, dass jeder die Verantwortung für sich übernimmt, für sich entscheidet, bevor er/sie für andere denkt.

Ich finde es auch nicht okay, wenn Vorschriften nicht eingehalten werden. Auf der Ufschötti etwa steht ein kleiner Geräteplatz zum Turnen zur Verfügung. Dieser Platz ist zur Zeit mit den rot-weissen Polizeibändern abgesperrt. Jeden Tag sehe ich Leute, die diese Absperrbänder ignorieren, kürzlich zum Beispiel einen Vater mit seinen Kindern. Der Vater hat doch eine Verantwortung und sollte Vorbild für seine Kinder sein. Warum müssen der Quai und andere Plätze mit Gittern abgesperrt werden? Weil Absperrbänder der Polizei ignoriert werden und das von Alten und Jungen. Ob alt oder jung, jeder Mensch ist für sein eigenes Handeln verantwortlich. Vertrauen wir doch jenen, die sich anstrengen und Tag und Nacht nach bestmöglichen Lösungen suchen, und zwar für alle.

Margrit Scherrer, Luzern


Das Coronavirus bringt uns Tod und wirtschaftliche Probleme. Es kann jedoch noch mehr, es kann hartnäckige Stimmen verstummen lassen. In den letzten Wochen hat man von der GSoA nichts mehr gehört, man müsse die teure und unnötige Institution Armee abschaffen.

Gerne würde ich von diesen Personen hören, wie sie die wertvolle Arbeit, die unsere Soldatinnen und Soldaten zurzeit leisten, bewerkstelligen würden. Diese Frage bleibt vermutlich unbeantwortet. Weiter hoffe ich, dass die Personen, die von zu viel Spitalbetten sprechen und einige Spitäler schliessen wollen, das Coronavirus im Hinterkopf behalten.

Franz Limacher, Flühli

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