Leserbrief
Mohrenkopf versus Bauernbratwurst

«Kunden rennen bei Dubler die Bude ein», Ausgabe vom 12. Juni

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Vorab: Mal ganz ehrlich – auch für uns Bauern ist es nicht sehr schmeichelhaft, mit einer Bratwurst verglichen zu werden! Es ist mal wieder ein Erste-Welt-Erste-Welt-Problem, mit welchem wir uns herumschlagen müssen. Corona sei Dank. Man hat mehr Zeit, sich Gedanken über «andere» zu machen, und kann sich überall einmischen. Mittels Social-Media-Kanälen werden diese ganz schnell in die weite Welt hinaus verstreut. Das ist für die Politik ein gefundenes Fressen.

Wie auch immer dieses süsse Schaumgebäck heisst oder einmal heissen wird – das ist doch absolute Zeitverschwendung. Man sollte seine Zeit und Energie in sinnvollere Projekte investieren. Es wird ja auch nicht in Frage gestellt, wenn ein Kunde in der Metzgerei ein Jägerschnitzel oder einen Tessinerbraten kauft – oder man nach einem Besuch in der Bäckerei lustvoll in einen «Berliner» beisst. Oder etwa doch?

Winkt das Parlament in Bundesbern die gewünschte Namensänderung durch, so wollen wir Bauern unseren «Wurststatus» dann auch ablegen dürfen. Der Bauernverband soll sich dann mit der Migros beraten, damit dieses Problem gelöst und die «Bauernbratwurst» weiter im Verkaufsgestell der Migros Schweiz bleiben kann – unter anderem Namen, versteht sich natürlich.

Meinrad Bossard, Schötz


Die Dubler-Trophy scheint einigen ans Gemüt zu gehen. Richtig ist, Sprachkosmetik ändert kaum etwas an den realen Verhältnissen. Der sprachliche Ausdruck bedarf des Verstands des Einzelnen, nicht des Verbots von Wörtern. Aber: Das lebenslange Lernen hat in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Der Wechsel weg von «Mohrenkopf» zu anderen bereits eingeführten Begriffen, wäre ein weiterer Schritt hin zu einer Kultur, in der sich alle wiedererkennen können. Gehen wir ihn.

Elmar Bernet, Sempach


Die Österreicher haben dieses Problem im Griff. Dort heisst der «Mohrenkopf» seit über fünfzig Jahren «Schwedenbombe». Die Schweden scheint es nicht zu stören. Vielleicht können wir auf diesen Zug aufspringen? Übrigens: In Wien heisst das «Wienerli»: «Berner Würstel». Beide Länder können mit diesen Bezeichnungen leben. Vielleicht hat man vorgängig die Frankfurter konsultiert? Ich bin einig mit einem anderen Leserbriefschreiber, der da schrieb: «Gesegnet sei dieses Land, welches sich mit solchen Problemen herumschlagen kann.»

Valentin Moser, Hünenberg See

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