Leserbrief
Kann sich das Spital die neue Kinderklinik überhaupt leisten?

«Kinderspital hofft auf Spenden», Ausgabe vom 20. Februar

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Ein ambitiöses Neubauvorhaben mit einem neuen Kinderspital einerseits und einer neuen Frauenklinik andererseits hat das Luzerner Kantonsspital da. Die nachstehenden Fragen bleiben aber dem Steuerzahler und Bürger bis heute unbeantwortet: Kann sich der Kanton Luzern bei der extrem bürgerlichen Sparpolitik (erinnert sei um die Vorgänge bei der kantonalen Prämienverbilligung) ein neues Kinderspital und eine neue Frauenklinik leisten? Das aktuelle Kostendach beträgt immerhin 200 Millionen Franken. Das «Grossprojekt» mit einer Frauen- und Kinderklinik ist offensichtlich in keine fundierte kurz-, mittel- und langfristige Ziel- und Gesamtplanung mit einem Gesamtkonzept eingebettet, aus welcher die Etappierung, Priorisierung und Finanzierung transparent hervorgeht. Aktuell gibt es 900 Millionen Franken Investitionsbedarf. Garantiert der Kanton, dass keine Zusatzfinanzierung und/oder Subventionierung zu Lasten des Steuerzahlers erfolgt? Eine Zusatzfinanzierung für einen Spitalbau aus Steuergeldern ist systemwidrig. Mit der neuen Finanzierung und Einführung des DRG-Fallpauschalen-Vergütungssystems im stationären Bereich seit dem Jahr 2012 sind die Vollkosten inklusive 100 Prozent Anlagenutzungskosten (also Spitalbaukosten und Unterhalt) bei einem wirtschaftlichen Betrieb bereits abgegolten. Der ambulante Bereich des Spitals wird aus der Tarmed für die ärztlichen und infrastrukturellen Leistungen abgegolten. In diesen Vergütungen sind die infrastrukturellen Leistungen und ebenfalls die Anlagenutzungskosten zu 100 Prozent bei einem wirtschaftlichen Betrieb bereits enthalten.

Wie wird künftig im Gesamtkonzept der notwendige Abbau der Akutbettenkapazitäten am Standort Luzern im stationären Bereich infolge Verlagerung in den ambulanten Bereich sichergestellt, sofern politisch an den Standorten Wolhusen und Sursee mittel- bis langfristig festgehalten wird?

Benno L. Tobler, Gesundheitsökonom, Luzern