Leserbrief
Jugendliche brauchen individuelle Hilfe – keine Bürokratie

«Stellwerktest: Vergleich von Klassen ärgert Lehrer», Ausgabe vom 4. Februar

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Neu werden die Stellwerkresultate der Klassen im Kanton Luzern offiziell verglichen. Bei Klassen, die mehr als 10 Prozent vom kantonalen Durchschnitt abweichen, muss die Schulleitung Stellung nehmen und Massnahmen vorsehen. Als Argumentation führt die Dienststelle Volksschulbildung (DVS) an, dass so den Schülerinnen und Schülern, die schlecht abgeschnitten haben, Hilfe angeboten werden könne.

Dieser Ansatz ist löblich, ist es doch im Interesse aller, dass die Jugendlichen so gut wie möglich gefördert werden. Doch sollten Massnahmen nicht nur bei den Klassen erfolgen, die eine 10-prozentige Abweichung aufweisen – sondern grundsätzlich dann, wenn individuelle Schülerleistungen auffällig sind.

Bei allen Abweichungen im Stellwerktest werden sich Erklärungen folgender Art finden lassen: Die Klasse hat einen hohen Anteil an Fremdsprachigen, einen hohen Anteil an Schülern aus bildungsfernen Familien oder viele Jugendliche mit schwierigen sozialen Backgrounds. Oder es gibt in der Klasse eine Häufung von Jugendlichen mit tieferen kognitiven Fähigkeiten. Alle diese Faktoren sind in der Regel schon vorher bekannt und sollten bei Bereitstellung von Unterstützungsangeboten im Voraus berücksichtigt werden. Dazu müssen aber auch die entsprechenden Mittel vorhanden sein. Die von der DVS vorgesehene Massnahme schiesst definitiv am Ziel vorbei: Es werden wieder einmal Zeit und Energie von Lehrpersonen und Schulleitung gebunden, um Berichte und Rechtfertigungen zu schreiben, die dann von Verwaltungspersonen bearbeitet und kontrolliert werden müssen. Angesichts der Sparmassnahmen des Kantons habe ich kein Verständnis für solche zusätzlichen Bürokratiemassnahmen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin sehr wohl dafür, dass sich die Lehrpersonen mit den Stellwerktests ihrer Klasse auseinandersetzen und darüber auch im Team austauschen. Das Ziel davon muss aber sein, individuelle Fördermassnahmen zu planen. So erhalten die jungen Menschen die Unterstützung, die sie brauchen, egal, ob ihre Klasse vom Durchschnitt abweicht oder nicht.

Carla Blumenthal, Schulleiterin, Kantonsratskandidatin CVP, Ruswil