Leserdebatte
«Jedes Mal, wenn ich auf der Hauptstrasse fahre, kommt mir mindestens ein Traktor entgegen»

«GLP greift Bauern-Privileg an», Ausgabe vom 7. Februar

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Die Grünliberalen möchten den Bauern die Vergünstigungen des Treibstoffes für ihre Traktoren streichen. Sofort hat sich Bauernpräsident Markus Ritter dagegen gewehrt mit dem Argument, die Traktoren seien selten bis nie auf den Strassen und würden von den Bauern hauptsächlich für die Arbeiten auf den Feldern eingesetzt.

Da muss ich Herrn Ritter ganz klar widersprechen. Das Bild, welches er von den Bauern und ihren Arbeiten zeichnet, ist veraltet. Realität ist, dass mir jedes Mal, wenn ich zum Einkaufen fahre, auf der Hauptstrasse mindestens ein Traktor entgegenkommt, oder dass ich hinter einem solchen Ungetüm herfahren muss. Und riesig sind sie, sogar in unserem kleinen Kanton Uri, wo es keine kilometerlangen Felder zu bewirtschaften gibt. Die Ursache liegt darin, dass in unserem Kanton viele Bauern nicht nur Land um ihren Hof herum bewirtschaften, sondern zum Teil etliche Parzellen in mehreren Nachbargemeinden gepachtet haben.

Oft allein als Fahrzeug unterwegs, öfter aber mit einem oder zwei Anhängern, voll beladen mit Siloballen, Heu- oder Strohballen, sogar mit ganzem Hausrat. Und das leider nicht nur mit Nummernschildern aus dem Kanton Uri. Immer öfter sind speziell im Frühling und Herbst Traktoren mit zwei Anhängern aus Nachbarkantonen oder sogar mit Nummern aus der Ostschweiz oder Deutschland zu sehen, die den ansässigen Landwirten Heuballen liefern. Dazu kommen Traktoren mit Güllenfass, Mistzetter oder mit einer angehängten Ballenpresse.

Nicht zu vergessen sind die Lohnarbeiter in der Landwirtschaft. Bauern, welche mit ihrem Maschinenpark gegen Lohn für ihre Kollegen Dünger, Gülle, Mist ausbringen oder Arbeiten im Ackerbau oder bei der Maisernte erledigen. Sie alle müssen die Strassen benützen, um zu ihren Auftraggebern zu gelangen. Für mich also höchste Zeit, diesen uralten Zopf der Treibstoff-Vergünstigung abzuschneiden! Besser wäre, für die landwirtschaftlichen Produkte den Bauern einen höheren Preis zu zahlen und dafür den Detailhändlern die Höhe ihrer Margen zu kürzen, beziehungsweise vorzuschreiben.

Ich möchte allen Politikern ans Herz legen, endlich etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Dazu gehört, dass zum Beispiel dringend auf den Flugzeug-Treibstoff Kerosin Treibstoffzoll erhoben wird.

Sibylle Regli, Schattdorf


Die Grünliberalen fordern die Aufhebung des Mineralsteuerrabattes für Bauern. Es ist einfach so, dass der Parteipräsident Jürg Grossen und seine Partei damit ein Bauernopfer suchen. Die Arbeiten in der Landwirtschaft werden zum grössten Teil auf den Feldern und nicht auf den öffentlichen Strassen verrichtet. Arbeiten, die notabene zur Nahrungssicherheit der Schweiz beitragen. Gesund ist, wer Einheimisches isst. Der Rabatt ist gerechtfertigt, da ein grosser Teil der Mineralölsteuer in den Strassenbau fliesst. Statt über den Rabatt für die Landwirtschaft zu streiten, sollte man endlich über den steuerlosen Zustand der kerosinbetriebenen Flugzeuge diskutieren. So könnte ganz sicher etwas für den Umweltschutz und für die Staatskasse gemacht werden.

Martin Birrer, Emmen