Leserbrief
Jean Ziegler zieht sich durch «Nichtwissen» aus der Affäre

«Die USA wollen das Erdöl», Ausgabe vom 31. Januar

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Ich möchte vorausschicken, dass ich Venezolanerin bin (mit einem Schweizer verheiratet) und immer noch viele Familienmitglieder in Venezuela habe.

Jean Ziegler hatte nur Kontakte mit den Diktatoren Hugo Chávez und seinem Nachfolger Nicolás Maduro. Damit hat er sicher kein objektives Bild der Lage in Venezuela erhalten.

Es stimmt nicht, dass die USA das venezolanische Öl wollen. Sie haben selber genug und sind Netto-Exporteure. Zudem funktioniert die Ölförderung in Venezuela nur noch zur Hälfte, mangels Unterhalt der Förder- und Raffinerieanlagen. Die USA boykottieren inzwischen sogar die Lieferung von Naphtha (Rohbenzin), das Venezuela unbedingt zur Verdünnung des von ihm geförderten Schweröls braucht, und sie blockieren die Konten der venezolanischen Ölgesellschaft.

Die Parlamentswahlen 2015 hat die Opposition gewonnen. Maduro hat jedoch das Parlament entmachtet, mittels einer verfassungswidrigen, sogenannt verfassungsgebenden Versammlung. Darin sitzen nur Leute, welche Maduro unterstützen.

Nach mehr als 20 Jahren Diktatur haben die Menschen genug vom korrupten, sozialistischen Regime. Die Neffen der venezolanischen First Lady sitzen in den USA wegen Drogenschmuggels im Gefängnis. Jean Ziegler möchte sich wohl wieder durch sogenanntes «Nichtwissen» aus der Affäre ziehen. Aber die früheren Führer der Opposition sitzen entweder im Gefängnis, sind unter Hausarrest (Lepoldo López), oder mussten ins Ausland flüchten. Dort gibt es inzwischen mehr als eine Million Venezolaner, auch Familienangehörige von mir, die aus Gründen der völlig fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven geflohen sind.

Jean Ziegler, wer vor einem vollen Teller sitzt und dem nichts Lebensnotwendiges fehlt, soll nicht kritisieren, wenn sich das Volk, das unter Mangel an Essen, Medikamenten und sogar Trinkwasser leidet, sich wehrt. Wenn Sie es nicht glauben, so gehen sie doch für längere Zeit nach Venezuela, aber ohne Unterstützung durch Maduro. Danach können Sie mich korrigieren, falls nötig.

Ich habe den Eindruck, dass Sie trotz ihrer 85 Lebensjahre nichts gelernt haben über die Folgen des linkspopulistischen Sozialismus à la Cubana.

Consuelo Wind-Méndez, Baar


Jean Ziegler sieht Venezuela als Opfer einer internationalen Diffamierungskampagne, bezeichnet Nicolas Maduro als legitimen Präsidenten und sieht keine Notwendigkeit zu Neuwahlen. Er sieht die Schuld der humanitären Krise in Venezuela bei den USA und ihren Verbündeten. Die USA wollen nur das Erdöl Venezuelas und nur Dank Russland und China käme Venezuela über die Runden, so Ziegler.

Jean Ziegler sympathisierte auch schon mit Muammar al-Gaddafi und Robert Mugabe. Ich frage mich, was diesen Mann antreibt. Wahrscheinlich versucht er, auf diese Art und Weise für seine Bücher zu werben. Widerlich.

Valentin Moser, Hünenberg See

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