Leserbrief
«Das ist definitiv kein politisches Programm»

Zum Leserbrief «Auf Repressionen ist zu verzichten», Ausgabe vom 28. Juni

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Vermutlich verändert jedes intelligente Leben im Laufe seiner Evolution irgendwann seine, bis anhin zivilisationsfreundliche Atmosphäre. Nämlich dann, wenn es feste oder flüssige Stoffe dauerhaft in Gase überführt. Fraglich ist, ob unsere junge Zivilisation den Sprung von den Flegeljahren in ein stabiles Erwachsenenalter schafft. Dazu darf die Menschheit keine zusätzlichen Treibhausgase produzieren. Also: die restlichen Öl-, Gas und Kohlevorkommen im Boden belassen.

Die Politik kennt diese Fakten seit 1990 (erster Weltklimarat-Bericht). Trotzdem sind wir bei unserer Entzugstherapie kaum weiter, die Chancen schwinden mit jeder untätigen Woche.

Was macht indes die SVP? Kantonsrat Daniel Keller diffamiert die anderen bürgerlichen Parteien als Kofferträger der Linken, bloss weil sich diese endlich bewegen. Und der Präsident der SVP und Swissoil – Albert Rösti – polterte am Samstag über «teuflische» Umweltmassnahmen. Beide bewirtschaften dabei die ewiggleiche SVP-Masche: Unsolidarität und Eigennutz – Achtung: Der böse Staat will dir etwas wegnehmen!

Schaffen wir die Klimakurve? Bloss dann, wenn wir viele Register ziehen: Innovationskraft, Technik, neue Spielregeln. Und, vermutlich am Wichtigsten, eine breite Solidarität zugunsten sozialer und somit gesellschaftsverträglicher Neuerungen. Die Grundlagen dafür sind gegeben, immerhin besitzen weltweit 0,1 Prozent der Personen über 80 Prozent des Finanzvermögens.

Und lokal braucht es Verantwortung übernehmende Parteien und Verbände, welche beispielsweise die Effizienz des Fahrzeugparkes dank politischen Instrumenten beeinflussen. Keller bringt stattdessen bereits das Referendum ins Spiel. Ist dies im Jahr 2019 eine verantwortungsvolle Politik? Wie will den er und seine SVP zu einem raschen Null-CO2-Ausstoss gelangen? Mit nichts tun, und damit die Zivilisation innerhalb weniger Jahrzehnte an die Wand fahren? Entschuldigung, das ist definitiv kein politisches Programm.

Cyrill Studer Korevaar, Luzern, SP-Grossstadtrat