Leserbrief
Kein Luxus für alle

Gedanken zum wirtschaftlichen Wachstum

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Mir ist am Dorfeingang ein Plakat aufgefallen: «Luxus für alle.» Was bezweckt der Lebensmittel-Discounter mit seiner Werbung? Will er uns Konsumenten wirklich beschenken und uns allen üppige, genüssliche Festtagsfreuden bereiten? Es ist doch eher naheliegend, dass er vielmehr die Steigerung seines Umsatzes und Gewinns im Fokus hat.

Luxus für alle? Die Grenze, bis zu welcher eine weitere Steigerung unseres Konsums auch unserer Zufriedenheit, unserer Gesundheit und unserem Wohlergehen förderlich ist, haben wir doch längst überschritten. Blaise Pascal hat sich im 17. Jahrhundert in seinen «Pensées» zum Sinn des Lebens tiefschürfende Gedanken gemacht. Seine am meisten zitierte Aussage ist wohl: «Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.» Ein Jahrhundert später hat der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau zum Luxus der damaligen Oberschicht Folgendes gesagt: «Fast jeder Luxus und viele der sogenannten Bequemlichkeiten des Lebens sind nicht nur entbehrlich, sondern ein ausgesprochenes Hindernis für die Höherentwicklung der Menschheit; ein Hindernis zu einem bedachten Leben.» Zum wirtschaftlichen Wachstum hat sich ebenso Adolf Muschg kritisch geäussert: «Wir glauben, dass die Verbesserung unseres Lebens mit einer beliebigen Expansion des Konsums zu garantieren – oder daran zu messen – sei. In einer Krise halten wir uns für gerettet, wenn die Menschen wieder bereit sind, möglichst viel von dem zu kaufen, was sie nicht brauchen.»

Luxus für alle? Nein, aber für alle ein anständiges, existenzsicherndes Leben. Wie könnten die grossen Discounter dazu beitragen? Sie könnten eine «Solidaritätslinie» einführen, wo ausgewiesene Armutsbetroffene generell zum halben Preis einkaufen könnten. Unseren Luxus sollten wir bewusst zähmen; anderseits zielstrebig eine bessere Verteilung des Wohlstandes erwirken.

Luxus für alle? Nein, weltweit schon gar nicht. Zur Wahrung unserer Verantwortung gegenüber unseren Enkeln bleibt uns noch ein Ausweg: Wir müssen bescheidener werden – insbesondere wir Wohlhabenden! Bescheidenheit und Suffizienz als neue Leitlinie für eine bessere Zukunft. Mahatma Gandhi hat es treffend formuliert: «Wir sollen einfach leben, damit andere einfach leben.»

Bruno Riedo, Menzingen