TV-Kritik
Der ORF-Wolf und das SRF-Lamm

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
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Armin Wolf ist der aktuell wohl profilierteste Fernsehjournalist im deutschsprachigen Raum.

Im ORF fühlt er Politikerinnen und Politikern mit scharfkantig-präzisen Fragen auf den Zahn. Er tut dies auf eine unaufgeregte, unprätentiöse Art, stets mit dem Ziel, dem Gegenüber möglichst substanzielle Aussagen zu entlocken. Wenn es sein muss, fragt Wolf mehrmals nach, bis er eine befriedigende Antwort bekommt.

Armin Wolf vom ORF beim Swiss Media Forum vom Donnerstag, 23. September 2021 im KKL in Luzern.

Armin Wolf vom ORF beim Swiss Media Forum vom Donnerstag, 23. September 2021 im KKL in Luzern.

Urs Flueeler / KEYSTONE

So etwa Anfang Woche, als die Klubobfrau der Grünen (so die Bezeichnung für Parteipräsidentin in Österreich) um den heissen Brei herumredete, statt klar zu sagen, ob sie wirklich eine Koalition mit der verhassten FPÖ in Betracht gezogen habe. Als Wolf unbeirrt ein siebtes Mal (!) nachhakte, ob sie das nun ausschliesse oder nicht, gab die Grüne auf und hauchte erschöpft: «Ja.»

Als Wolf’sche Antithese darf sich SRF Sport mit seinen lammfrommen Fussballnati-Interviews vom Spielfeldrand bewerben. Nach dem Litauen-Spiel vom Dienstag trieb es der SRF-Reporter auf die Spitze mit seiner Schmeichelei: Er forderte Doppeltorschütze Breel Embolo hartnäckig auf, sich in Selbstlob zu üben.

Doch der Fussballprofi ging einfach nicht darauf ein. Auch auf den wiederholten Wunsch des Befragers, seine persönliche Leistung doch bitte herauszustreichen, antwortete Embolo abgeklärt mit einstudierter Phrase: «Ich konnte der Mannschaft heute helfen.»

SRF-Reporter und Fussballspieler: Auf Schmusekurs am Spielfeldrand. (BIld vor dem Länderspiel in Littauen) .

SRF-Reporter und Fussballspieler: Auf Schmusekurs am Spielfeldrand. (BIld vor dem Länderspiel in Littauen) .

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

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