Kommentar
Somuncu-Zensur - Bitte kein Wohlfühl-SRF

Der Vorgang lässt aufhorchen. Das SRF hat eine bissige Politsatire des bekannten deutschen Humoristen Serdar Somuncu aus der zweiteiligen Arosa-Humor-Festival-Sendung gestrichen. Und damit den Zorn Somuncus auf sich gezogen.

Benno Tuchschmid
Benno Tuchschmid
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«Christoph Arschblocher»: Serdar Somuncus Satire strich das SRF aus dem Programm. Thomas Rabsch/laif

«Christoph Arschblocher»: Serdar Somuncus Satire strich das SRF aus dem Programm. Thomas Rabsch/laif

Thomas Rabsch/laif

Serdar Somuncu spricht von Zensur. Seine Wut ist nachvollziehbar.

Keine Frage: Somuncus Humor ist deftig. Er nennt in seinem nicht ausgestrahlten Auftritt Christoph Blocher «Arschblocher» und sagt, die Schweizer seien in der Flüchtlingspolitik im Vergleich zu Deutschland «wenigstens aufrichtige Nazis». Harter Sarkasmus. Das kann man als degoutant empfinden. Aber so ist das mit Satire.

Doch das ist nicht der Punkt. Der Fall passt zu einer Tendenz beim SRF. Seit der politische Druck auf das gebührenfinanzierte SRF hoch ist, versucht man am Leutschenbach Ärger aus dem Weg zu gehen. Insbesondere bei Themen, die der neuen bürgerlichen Mehrheit in Parlament in den falschen Hals geraten könnte.

So verschob das SRF vor den Wahlen einen Dokumentarfilm mit dem linken österreichischen Essayisten Robert Menasse und einen Film über die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran.

Die Argumentation des SRF war schwach – noch schwächer ist sie im aktuellen Fall: Somuncus Auftritt sei gestrichen worden, weil er nicht in die Mischung passe. Gut in die Mischung passt offenbar Andreas Thiel, ebenfalls ein politischer Satiriker. Einfach mit einer rechtsbürgerlichen Grundhaltung.

Service public verpflichtet zu einem ausgewogenen Programm. Nicht aber zu einem Wohlfühl-TV, das sich bei seinen politischen Feinden anbiedert. Damit schafft sich Leutschenbach nicht mehr Freunde, sondern noch mehr Feinde.

Den Artikel zum Thema lesen Sie hier.