Grüselbeizen
Restaurants sind Dunkelkammern

Die Gastrobranche wehrt sich gegen mehr Transparenz bei Lebensmittelkontrolle. Damit schneidet sie sich ins eigene Fleisch.

Sven Altermatt
Sven Altermatt
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In Dänemark erfahren die Konsumenten dank Smileys, wie es um die Hygiene von Restaurants steht.KHAN TARIQ MIKKEL/Keystone

In Dänemark erfahren die Konsumenten dank Smileys, wie es um die Hygiene von Restaurants steht.KHAN TARIQ MIKKEL/Keystone

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Selbst einem abgebrühten Lebensmittelinspektor dürfte sich da der Magen umdrehen: vergammeltes Fleisch im Kühlschrank, tote Fliegen in der Vorratskammer, ekliger Schimmel an den Wänden. Regelmässig und überall im Land stossen die Inspektoren in Restaurants auf Unappetitliches. Das könne ja mal passieren, sagen fehlbare Wirte daraufhin gern. Sie klären die Sache diskret mit den Behörden: Busse bezahlen, Besserung geloben. Manche tun das Jahr für Jahr. Und wer hat von all dem keine Ahnung? Die Konsumenten. Von den Missständen erfahren sie als Letzte. Dann nämlich, wenn ein Restaurant von den Behörden dichtgemacht wird. Und nur dann.

Dass es auch besser geht, zeigt etwa ein Blick nach Dänemark. Dort werden die Konsumenten schon lange über die Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen informiert. Das zeigt Wirkung: 2013 landeten nicht einmal mehr halb so viele Restaurants in der schlechtesten Kategorie wie fünf Jahre zuvor.

Von solchen Standards ist die Schweiz weit entfernt. Den Konsumenten wird die Wahrheit nicht zugemutet. Transparenz verdirbt den Gastro-Lobbyisten offenbar den Appetit. Sie sträuben sich sogar gegen freiwillige Qualitätszeugnisse und warnen lieber vor einem Pranger. Bislang stets erfolgreich. Dabei sind es auch in der Schweiz weniger als zehn Prozent der Betriebe, die sich beharrlich um die Hygiene scheren. Man kann getrost von «Grüselbeizen» sprechen. Doch genau diese werden von den Branchenverbänden und deren Vernebelungstaktik geschützt. Damit schaden sie der ganzen Gastronomie.