Polemik
Raserei in den Tod mit Schweinsnase

Wer auf einem Online-Portal ein Video anschauen will, muss sich oft erst eine Werbung anschauen. Das führt zu seltsamen Konstellationen.

Max Dohner
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Zwei junge Briten rasen in den Tod

Zwei junge Briten rasen in den Tod

Screenshot rtlnext.de

Man soll nicht am Ast sägen, worauf man sitzt. Drum soll man als Zeitungsfritze auch nicht an der Werbung rum figuretlen. Aber die Säge ist mir nun mal in die Hand gerutscht – tant pis.

Da explodierte in Thailand eine Bombe. Diese Nachricht will ich lesen. Muss zuvor aber noch das Kreuzchen suchen, um das Werbebanner von Valser-Wasser auszulöschen: «Vo Berga gmacht». Vom reinen Wasser zum Blutbad – eine Viertelsekunde.

Zwei junge Briten, vollgepumpt mit Drogen, rasten durch die Nacht, nahmen alles auf mit dem Handy – und konnten sich das nie mehr ansehen. Ihr Wagen überschlug sich, die Briten starben. Ihr Video stellte ein Online-Dienst ins Netz; wer lebt, kann es sich angucken. Vorher indes quiekt eine Frau mit über die Nase gestülptem Plastik-Schweinerüssel: «Lass die Sparsau raus!»

Früher sah man ein Plakat, ging hernach um die Litfasssäule und musste lachen: Da klebte das genaue Gegenteil. Auch in Zeitungen gibt es eigenartige Nachbarschaften von Schlagzeile und Reklame. Im Internet aber liegt heute beides übereinander. Und jetzt hat das einen Stich ins Perverse.