Kommentar
Proporz, Majorz, SVP und CVP

Nun ist es also vorbei, das eidgenössische Wahljahr 2015. Nachfolger von Bundesrätin Widmer-Schlumpf ist der Waadtländer Weinbauer Guy Parmelin, ein an- und bodenständiger Mann, der aber bisher östlich der Saane wenig bekannt war.

Hans Fahrländer
Hans Fahrländer
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Die Bundesratswahlen 2015 in Bildern
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Guy Parmelin sagt vor den Medien. er möchte für alle Schweizerinnen und Schweizer da sein.
Guy Parmelin steht den Medien wenige Stunden nach seiner Wahl Rede und Antwort.
Der aktuelle Bundesrat mit drei Romands: Didier Burkhalter, FDP, Kanton Neuenburg (3. von links), Alain Berset, SP, Kanton Freiburg (2. von rechts) und Neo-Bundesrat Guy Parmelin, SVP, Kanton Waadt (ganz rechts)
«Ich schwöre!» Der Bundesrat wird vereidigt. Von links: Doris Leuthard, Ueli Maurer, Didier Burkhalter, Simonetta Sommaruga, Johann Schneider-Ammann, Alain Berset, Guy Parmelin, Walter Thurnherr (Bundeskanzler).
Die Parmelins in Bursins. Mutter Jeannine, Vater Richard und Bruder Christophe Parmelin wenige Augenblicke, nachdem die Wahl von Guy Parmelin perfekt ist.
SVP-Nationalrat Guy Parmelin (links) erhält von Parteipräsident Toni Brunner (Mitte) und Fraktionschef Adrian Amstutz Gratulationen.
Umringt von Fotografen und Parlamentariern - der neue Bundesrat: Guy Parmelin.
Die entscheidenen Sekunden, bevor das Resultat des dritten Wahlgangs bekannt wird.
Magdalena Martullo-Blocher, SVP-GR, Mitte, gibt ihre Stimme in die Wahlurne.
Bundesratskandidat Thomas Aeschi, rechts, gibt seine Stimme in die Wahlurne.
Angelo Paparelli, Michele Foletti und Daniele Caverzasio, von links, Politiker der Lega dei Ticinesi... ... und Anhaenger von SVP-Bundesratskandidat Norman Gobbi, verfolgen am Fernsehen die Bundesratswahlen
Rosmarie Quadranti, BDP-ZH, links, umarmt ihre zuruecktretende Bundesraetin Eveline Widmer-Schlumpf nach deren Rede vor der Vereinigten Bundesversammlung.
Amstutz bei seiner Rede.
Die Wahlboxen werden für die Auszählung ausgeleert.
SVP-Nationalrat und Parteipräsident Toni Brunner (l.) und Bundesratskandidat Guy Parmelin unterhalten sich.
Der Aargauer GLP-Nationalrat Beat Flach gibt seinen Stimmzettel in die Urne, welche ihm Ratsweiblin Nathalie Radelfinger hinhält.
Die Ratsweibel warten mit den Wahlurnen auf ihren Einsatz.
Die Bundeskanzlerin Corina Casanova wird verabschiedet.
Standing ovation für die abtretende Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf.
Im Fokus: Die Finanzministerin zu Beginn des Bundesratswahltag.
Thomas Aeschi sitzt neben Neu-Nationalrätin Martullo-Blocher.
Thomas Aeschi am Mittwochmorgen vor den Wahlen.
Auf dem Weg in den Nationalratssaal - Thomas Aeschi.
Die Vereinigte Bundesversammlung wählt am Mittwoch den Gesamtbundesrat.
In der Nacht der langen Messer tauschen sich Politiker und Journalisten aus.
Die Parteipräsidenten tauschen sich über ihre Wahlstrategie in einer Elefantenrunde aus.
Nationalrat Aeschi bringt SP-Nationalrätin Jacqueline Badran zum Lachen.
Das Hotel Bellevue Palace war das Zentrum des Politgeschehens der Nacht von Dienstag auf Mittwoch.

Die Bundesratswahlen 2015 in Bildern

Keystone/Marcel Bieri

Eine Bundesratswahl, eigentlich eine Majorz- oder Persönlichkeitswahl, kann auch zu einer Art Proporzwahl (Verhältniswahl) werden: wenn die Parlamentsmitglieder nicht primär eine Person wählen, sondern dem Konkordanzfrieden zuliebe eine Partei: Es schlicht nicht mehr möglich war, der SVP den zweiten Sitz zu verwehren.

Auch Ständeratswahlen sind Majorzwahlen. Auffallend: Während die SVP bei den Nationalratswahlen (Proporzwahl) mit 65 Sitzen auftrumpfte, bleibt sie im Ständerat mit 5 Sitzen eine Kleinpartei (FDP und CVP haben 13, die SP 12).

Die SVP hat offenkundig Mühe, für Majorzwahlen geeignete Persönlichkeiten zu finden. «Das Volk», das bei Proporzwahlen massenweise SVP-Listen in die Urne wirft, lehnt bei Personenwahlen SVP-Vertreter oft ab.

Auch im Aargau ist es ja so gelaufen, zum zweiten Mal hintereinander. Der Kanton mit 38 Prozent SVP-Wähleranteil schickt eine SP-Frau und einen FDP-Mann in den Ständerat.

Es zeigt sich eben auch dies: Die SVP kann noch so stark sein, für den Erfolg braucht sie Verbündete. Das gilt bei Wahlen ebenso wie bei Abstimmungen. Und die SVP gebärdet sich ja oft nicht eben so, dass ihr verbündete Herzen zufliegen.

Trotz diesen Wenn und Aber führt nichts an der Feststellung vorbei: Das Wahljahr 2015 war in der Schweiz und im Aargau ein SVP-Jahr. Die Partei hat fast alle ihre Ziele erreicht (ausser eben im Ständerat).

Im Aargau fällt vor allem auf: Die SVP hat in den ländlichen katholischen Gebieten (Zurzibiet, Freiamt) die CVP brutal vom Thron gestossen. In den 80er-Jahren besetzte die CVP noch vier Nationalrats- und einen Ständeratssitz.

Heute gibt es praktisch keine CVP-Stammlande mehr, nur noch SVP-Stammlande. Auf der Trostseite ist zu vermerken: Bundesrätin Doris Leuthard hat in der Majorzwahl ein Glanzresultat erzielt. Und: Die CVP gewinnt immer noch mehr Volksabstimmungen als die SVP. Aber so wirklich herzerwärmend ist dieser Trost ja auch nicht.