Analyse
Private wollen (zu) schnell mal ins Weltall

Der Crash der SpaceShipTwo des Milliardärs Richard Branson ist bereits das zweite Unglück eines privaten Raumfahrtunternehmens innerhalb weniger Tage. Eine Analyse zur Privatisierung der Raumfahrt – die zwei Rückschläge erlitten hat.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Touristen sollten mit der "SpaceShipTwo" ins All fliegen - doch dann stürzte sie bei einem Testflug ab.

Touristen sollten mit der "SpaceShipTwo" ins All fliegen - doch dann stürzte sie bei einem Testflug ab.

Keystone

Noch dieses Jahr wollte der Milliardär Richard Branson selber in den Weltraum fliegen. Daraus wird nichts. Sein privater Raumflieger, das SpaceShipTwo, liegt in tausend Einzelteile zertrümmert in der kalifornischen Wüste. Bei einem Testflug am Freitag war das Raumschiff abgestürzt. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten, der Co-Pilot starb. Es ist bereits das zweite Unglück eines privaten Raumfahrtunternehmens innerhalb weniger Tage. Am letzten Dienstag explodierte eine Rakete der Firma Orbital Science, die Versorgungsgüter zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen sollte.

Die Privatisierung der Raumfahrt ist in vollem Gang. Wagemutige Unternehmer und reiche Investoren wollen zeigen, dass sie den Weltraum günstiger erschliessen können als die staatlichen Raumfahrtorganisationen. Dabei werden sie kräftig unterstützt von der Nasa. Die Regierung Obamas setzt bei Transportflügen in das All auf Private, seit das eigene Space-Shuttle-Programm vor drei Jahren aus Kostengründen eingestellt worden ist.

Das Wettrüsten der Milliardäre aus dem Silicon Valley

Während des Kalten Krieges waren es die Supermächte, welche sich ein Wettrennen ins Weltall lieferten. Nun sind es die Milliardäre. Richard Branson ist nur einer, der die Raumfahrt kommerzialisieren will. Ein anderer ist Elon Musk, der nicht nur Paypal entwickelt und den Tesla erfunden hat, sondern auch Gründer der Firma SpaceX ist. Sein Raumschiff fliegt bereits jetzt Güter für die Nasa zur ISS. Ab 2017 sollen damit auch Astronauten transportiert werden.

Die Google-Manager Larry Page und Eric Schmidt gehören zu den Investoren der Firma Planetary Resources, einer weiteren privaten Raumfahrtfirma. Der kühne Plan des Unternehmens ist es, mit einem Schwarm Roboter zu einem Asteroiden zu fliegen und dort Edelmetalle abzubauen. Dieses Unterfangen ist zwar überaus kompliziert, wird sich aber gemäss Planetary Resources lohnen. Denn ein Asteroid mit dem Durchmesser von 30 Metern kann Platin im Wert von 50 Milliarden Dollar in sich bergen. Es gibt wohl nur noch ein grössenwahnsinnigeres Vorhaben – und das heisst Mars One. Der Holländer Bas Lansdorp will den Mars besiedeln – und die Eroberung des Roten Planeten als Reality-TV-Show vermarkten.

Zurück auf den Boden. Die beiden Unglücke der letzten Woche lassen den Anschein aufkommen, dass die Privaten bei der Eroberung des Weltalls ein allzu schnelles Tempo eingeschlagen und dafür bei der Sicherheit gespart haben. Diesen Eindruck verstärkt eine Aussage Richard Bransons, dem Inhaber des abgestürzten SpaceShipTwo. «Ich wäre bitter enttäuscht, wenn ich nicht vor Ende des Jahres im Weltraum wäre», sagte der Milliardär im Januar. 2015 sollten dann auch die ersten Passagiere für 250 000 Dollar mit dem SpaceShipTwo in den Weltraum fliegen. Mehrere hundert Menschen stehen bereits auf der Warteliste – darunter Stephen Hawking, Brad Pitt und Lady Gaga.

Wenn uns Satelliten aus dem All in Echtzeit überwachen

Vor über einem halben Jahrhundert flog der Russe Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum. Seither hat die Technologie, insbesondere die IT, gleich mehrere Quantensprünge gemacht. Doch bei der Raumfahrt gehen die Entwicklungen eben nicht so schnell voran. Das dürfte Richard Branson nun schmerzlich bewusst geworden sein.

Ihre neue Spielwiese werden die tollkühnen Milliardäre dennoch nicht wieder hergeben. Und ihre Entwicklungen werden wir auf der Erde wohl bemerken, noch ehe sie die ersten Menschen in den Weltraum transportieren. Derzeit katapultieren verschiedene Privatfirmen kleine Satelliten in die Erdumlaufbahn. Eines dieser Unternehmen heisst Skybox und wurde dieses Jahr von Google gekauft. Die Mini-Satelliten formieren sich zu Netzwerken und liefern in Echtzeit Aufnahmen von unserem Planeten. Menschen lassen sich darauf zwar keine erkennen, aber Autos oder Frachtcontainer. Die Überwachung aus dem All durch private Firmen hat eben erst begonnen. Damit dürfte sich zumindest mittelfristig mehr Geld verdienen lassen als mit dem Abbau von Edelmetall auf Asteroiden.

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