Per Autostopp um die Welt (51)
Mein unerschütterliches Autostopp-Selbstvertrauen verleitet mich zu einem Experiment

Autostöppler Thomas Schlittler befolgt diese Woche eine alte Autostopp-Weisheit. Basierend auf diese Theorie fordert er in Laos sein Glück heraus. Per Autostopp um die Welt – Woche 51: Von Konglor (Laos) nach Hanoi (Vietnam).

Thomas Schlittler
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Von Thalang nach Lak Sao: Nach der Nacht im Zelt nimmt mich wiederum das erste Fahrzeug mit. Sit ist Unternehmer und besitzt eine Goldmine.
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Von Lak Sao nach Ban Nape: Mae und Bi (rechts) bringen mich zwei Dörfer weiter - und kehren dann um. Einfach, weil sie so tolle Typen sind.
Von Ban Nape nach Laos-Vietnam-Grenze: Dieser Lastwagenfahrer ohne Last ist extrem im Schuss, macht aber eine Vollbremsung, um mich aufzuladen.
Von Laos-Vietnam-Grenze nach Vinh: Mit dieser Truppe geht es deutlich weiter, als ich erwartet hatte - 100 Kilometer.
Unterwegs machen wir noch einen Halt, um diesen prächtigen Fang auszuliefern.
Von Vinh nach Quan Hanh: Aus der Stadt raus geht es mit einem Bus, der bis nach Vietnam fährt. Bis ins nächste Kafff nehmen mich die Fahrer aber umsonst mit.
Die 300km nach Hanoi würden in diesen Luxussitzen nur 180'000 Dong (rund 8 Franken) kosten. Ich werde beinahe schwach, bleibe aber meinen Prinzipien treu ;-)
Von Quan Hanh nach Kreuzung: Mit ihm geht es nur ein paar Kilometer weiter. Doch er schenkt mir auf dieser kurzen Fahrt ein Lächeln nach dem anderen.
Von Kreuzung nach Tam Coc: Wer braucht schon einen Luxusbus, wenn man gratis in einem schicken BMW mitfahren kann?
Von Tam Coc nach Ninh Binh: Weil es im touristischen Tam Coc so viele Taxis hat, wage ich nicht zu stöppeln. Diese hübsche Lady nimmt mich aber trotzdem mit.
Von Ninh Binh nach Hanoi Stadtrand: Besonders Quy Pham (Mitte) ist erpicht darauf, sein Englisch zu trainieren. Ein ganz liebenswürdiger, herzlicher Typ.
Per Autostopp um die Welt - Woche 51: Fahrer-Selfies

Von Thalang nach Lak Sao: Nach der Nacht im Zelt nimmt mich wiederum das erste Fahrzeug mit. Sit ist Unternehmer und besitzt eine Goldmine.

Thomas Schlittler

Eine alte Autostopp-Weisheit besagt:
«Hats zu viel Gummi auf dem Teer, fällt das Autostöppeln schwer. Ist die Strasse eher leer,
nützt der Daumen sehr viel mehr.»

Okay, ich gebe es zu, ich habe dieses Sprichwort selber erfunden. Aber es ist wirklich so: Nirgends ist das Trampen mühsamer als auf vielbefahrenen Strassen. Auf ruhigen Landstrassen ist die Erfolgsquote deutlich höher. Dort scheinen sich viele Fahrer für mein Schicksal verantwortlich zu fühlen. So nach dem Motto: Wenn ich ihm nicht helfe, wer dann?
Auf diese Theorie vertrauend, habe ich diese Woche in Laos mein Glück herausgefordert. Die Ausgangslage war einfach zu verlockend: Da ist diese 7,5 Kilometer lange Höhle, die nur auf einem kleinen Boot durchquert werden kann, und auf der anderen Seite wartet diese Strasse, die weder im Reiseführer noch auf Google Maps eingezeichnet ist. Unbekanntes Land – was gibt es Spannenderes?

Von der Konglor Höhle nach Thalang: Im Lonely Planet ist die Strecke nicht erwähnt, auf Google Maps keine Strasse zu finden
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Nur auf der Offline-Map-Karte von Maps.me ist auch auf der anderen Seite der Höhle eine Strasse eingezeichnet
Allerdings ist die Strecke bis zur nächsten grösseren Strasse gemäss Maps.me nur zu Fuss zu meistern
Für Autos ist die Strecke gemäss Maps.me nicht gemacht

Von der Konglor Höhle nach Thalang: Im Lonely Planet ist die Strecke nicht erwähnt, auf Google Maps keine Strasse zu finden

Thomas Schlittler

Einzig auf der genialen Offline-Karten-App Maps.me ist der Weg, der beim Höhleneingang endet, ersichtlich. Zwar sagt Maps.me, dass die 57 Kilometer lange Strecke bis zur nächsten grösseren Strasse nur zu Fuss zurückgelegt werden kann, aber daran glaube ich nicht so recht. Zumindest Motorräder finden doch immer einen Weg, denke ich mir. Nach fast 500 Fahrern ist mein Autostopp-Selbstvertrauen beinahe grenzenlos – oder habe ich bereits die Grenze zur Überheblichkeit überschritten?
Die Fahrt durch die stockfinstere Höhle beginnt unerwartet turbulent. Der Blitz meiner Kamera bringt den Fahrer derart aus dem Konzept, dass er das kleine Holzboot frontal gegen die Höhlenwand steuert. Der Aufprall ist heftig, doch das Boot – und wir – kommen unbeschadet davon. Der Fahrer bittet mich daraufhin, das Blitzen zu unterlassen. Anschliessend kurvt er gekonnt durch die Dunkelheit, als Orientierungshilfe dient ihm einzig eine Stirnlampe.

Hier kommt noch etwas Tageslicht in die Höhle, dann folgen 7,5 Kilometer Dunkelheit.
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Ein Selfie zu machen entpuppt sich als schlechte Idee. Der Blitz bringt meinen Fahrer aus der Fassung - er steuert unser Boot frontal gegen die Höhlenwand.
Schliesslich kommen wir heil auf der anderen Seite raus.

Hier kommt noch etwas Tageslicht in die Höhle, dann folgen 7,5 Kilometer Dunkelheit.

Thomas Schlittler


Beim Höhlenausgang stehen drei Essensstände, ich bin der einzige Kunde. Die Verkäuferinnen begrüssen mich freundlich. Sie sind aber einigermassen verwirrt, als ich ihnen sage, dass ich nicht zurück in die Höhle will, sondern meine Reise auf dieser Seite fortsetzen werde. „No Bus“, warnen sie mich. „No Problem“, antworte ich lächelnd.
Dann laufe ich mit meinem 20-Kilo-Rucksack los. Die unbekannte Strasse ist nicht geteert, aber breiter, als ich erwartet habe. Vor den bewaldeten Kalksteinhügeln, die senkrecht in die Höhe ragen, stehen vereinzelt Holzhäuser. Sie sind sehr einfach, jedoch in erstaunlich gutem Zustand. Eine Entenfamilie watschelt gemütlich über die Schotterstrasse und ein Wasserbüffel schaut mich verwundert an. „Was willst du denn hier?“, lese ich aus seinen Augen.

Holzhütten vor bewaldeten Kalksteinhügeln

Holzhütten vor bewaldeten Kalksteinhügeln

Thomas Schlittler
und verwundert dreinblickende Wasserbüffel.

und verwundert dreinblickende Wasserbüffel.

Thomas Schlittler
Die ersten fünf Kilometer nimmt mich ein älterer Herr mit auf seinem Roller.
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Im kleinen Dörfchen, in dem er mich ablädt, werde ich gleich zu einer Hochzeit eingeladen. Einige Gäste sind schon ziemlich gut in Form (Man beachte den Herrn rechts von mir...)
Als ich weiter will, bietet mir Aule, einer der Gäste, an, dass ich mit ihm mitfahren könne.

Die ersten fünf Kilometer nimmt mich ein älterer Herr mit auf seinem Roller.

Thomas Schlittler

Die Unterhaltung mit Händen, Füssen und zum Teil sehr angetrunkenen Gesprächspartnern ist anstrengend, zudem bin ich noch nicht weit gekommen. Nachdem ich ein paar Postkarten aus der Schweiz verteilt und das Mittagsbier getrunken habe, will ich mich deshalb wieder verabschieden. Doch Aule, der junge Mann, der ein bisschen Englisch spricht, hält mich zurück: „Du kannst mit mir mitfahren.“
Ich nehme das Angebot gerne an, auch wenn ich nicht herausfinde, wie weit Aule muss. Die Dörfer werden selten so ausgeprochen, wie ich das aufgrund der Buchstaben vermute. Doch die Richtung stimmt, das ist die Hauptsache.
Ab und zu überholen wir einen Mini-Traktor, von Zeit zu Zeit kommt uns ein Roller entgegen, einmal sogar ein Pick-up-Truck. Die Strasse ist nach wie vor erstaunlich gut, sofern sie nicht gerade von einem Bach geteilt wird.

Ab und zu überholen wir einen Mini-Traktor ...
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Von Zeit zu Zeit kommt uns ein Roller entgegen ...
Und wir machen gar einen Fotohalt, um die schöne Aussicht festzuhalten.

Ab und zu überholen wir einen Mini-Traktor ...

Thomas Schlittler

Ich freue mich über jedes Dörfchen, das wir durchqueren, ohne dass Aule anhält. Als wir am Strassenrand auf Aules Bruder treffen, erwarte ich schon das baldige Ende der gemeinsamen Reise. Doch Aule fährt weiter und weiter. Am Ende sitze ich fast fünfzig Kilometer hinten auf seinem Roller, dann erreichen wir eine geteerte Hauptstrasse. Jackpot! Die Chance, per Autostopp von Zürich direkt nach Genf zu gelangen, schätze ich etwa gleich hoch ein, wie in einer so verlassenen Gegend mit nur einem Fahrer so weit zu kommen.
Die letzten 15 Kilometer bis zu meinem Tagesziel sind dann nur noch Formsache. Der zweite Pick-up-Truck, der vorbeikommt, nimmt mich mit. Von vier Fahrzeugen haben an diesem Tag drei angehalten, das entspricht einer Erfolgsquote von 75 Prozent. Die alte Autostopp-Weisheit hat sich also wieder einmal bewahrheitet, mein Autostopp-Selbstvertrauen bleibt unerschüttert – und die Welt ist toll!

50 Kilometer mit dem gleichen Fahrer in einer so verlassenen Gegend - Aule entpuppt sich als wahrer Jackpot!
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Die restlichen 15 Kilometer bis zum Tagesziel sind dann nur noch Formsache. Der zweite Pick-up-Truck, der vorbeikommt, nimmt mich mit.
Am Zielort finde ich dann auch noch ein schönes Plätzchen zum Schlafen.
Geniesse den Sonnenuntergang
und das Feuer in der freien Natur. Ein perfekter Autostopp-Tag!

50 Kilometer mit dem gleichen Fahrer in einer so verlassenen Gegend - Aule entpuppt sich als wahrer Jackpot!

Thomas Schlittler
Das touristische Highlight der Woche war die wunderschöne Landschaft rund um Tam Coc in Vietnam - auch wenn bei meiner Ankunft gerade ein Gewitter aufzog
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Mit einem System von Höhlen und schwimmenden Kalkbergen wird Tam Coc als “Halong-Bucht im Boden” betrachtet
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Wie immer, wenn etwas wunderschön ist, steigt auch die Zahl der Touristen ...
Das Schöne ist aber, dass die Einheimischen trotz der vielen Besucher scheinbar ganz normal ihrem Alltag nachgehen
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Die Dörfer haben sich hervorragend in die Natur eingefügt
Und mancherorts holt sich die Natur wieder ein Stück zurück ...
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Da ich auf einen der zahlreichen Hügel geklettert bin, konnte ich mir das Ganze perfekt aus der Vogelperspektive zu Gemüte führen
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Es ist ein schönes Fleckchen Erde ...
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Das touristische Highlight der Woche war die wunderschöne Landschaft rund um Tam Coc in Vietnam - auch wenn bei meiner Ankunft gerade ein Gewitter aufzog

Thomas Schlittler

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