Meiereien
Mathematik im Alltag mit der Ferienlektüre

Wer Bücher für die Unterhaltung in den Ferien kauft, fährt günstig. Deutlich wird dies, wenn man die Lektürekosten berechnet und diese mit anderen Kosten berechnet.

Jörg Meier
Jörg Meier
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Bücher - ein günstiges Vergnügen. (Symbolbild)

Bücher - ein günstiges Vergnügen. (Symbolbild)

Keystone

Gestern habe ich fünf Bücher gekauft. Ferienlektüre. Insgesamt 1536 Seiten eher leichte Kost, gute Unterhaltung, wie ich hoffe. Gekostet hat mich das 91 Franken und 40 Rappen. Nehmen wir an, ich brauche 20 Stunden, bis ich alle fünf Bücher gelesen habe. Ich rechne: Der Preis für eine Stunde Lesevergnügen beträgt 4 Franken und 57 Rappen. Jetzt schäme ich mich fast ein bisschen, dass ich mich so billig auf ein grosses Vergnügen einlasse. Andrerseits kann ich ja nichts dafür, dass die Bücher fast unanständig günstig zu haben sind. Das war nicht immer so.

Zu Beginn der Dreissigerjahre des vorigen Jahrhunderts schrieb Kurt Tucholsky seinem Verleger einen dreifachen Appell: «Lieber Meister Rowohlt. Macht unsere Bücher billiger! Macht unsere Bücher billiger! Macht unsere Bücher billiger!» Rowohlt nahm das Anliegen ernst und erfand die rororo-Taschenbücher; die Bücher wurden billiger und billiger. Heute sind sie so günstig, dass sie deutlicher weniger kosten, als sie wert sind. Ich würde auch zehn Franken pro Buchstunde zahlen oder 20.

Eine Stunde Pedalo mieten kostet übrigens 35 Franken.

Gestern habe ich auch eine Rechnung des Autovermieters erhalten. Das Ausmerzen eines Kratzers am für zwei Stunden gemieteten Lieferwagen kostet rund 2500 Franken, mir bleibt der unversicherte Selbstbehalt von 1500 Franken. 1500 Franken für das Eliminieren eines Kratzers, den ich, hätte ich ihn an meinem Auto fabriziert, als Kratzer hätte stehen lassen – das finde ich unverschämt teuer. Wieder muss ich rechnen: Einen Kratzer am Auto wegmachen kostet etwa so viel wie 75 Bücher oder 300 Stunden Lesevergnügen. Selbstverständlich bezahle ich die Rechnung anstandslos, bevor ich in die Ferien fahre.