Maturtortur
Lasst uns doch smart sein!

«Legen Sie Ihr Handy weg» ist einer der häufigsten Standardsprüche von Kantilehrern. Es ist der Scanner im Hosentaschenformat. Es ist Lexikon, Wörterbuch und Terminkalender. Trotzdem ist es im Unterricht nicht gerne gesehen.

Patrick Züst*
Patrick Züst*
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In manchen Weltgegenden hat fast jede Person ein Handy

In manchen Weltgegenden hat fast jede Person ein Handy

Keystone

«Legen Sie Ihr Handy weg» ist einer der häufigsten Standardsprüche von Kantilehrern. Ich höre ihn fast täglich. Das Smartphone ist der treuste Begleiter des Kantischülers. Es ist der Scanner im Hosentaschenformat. Es ist Lexikon, Wörterbuch und Terminkalender. Trotzdem ist es im Unterricht nicht gerne gesehen.

«Das hat mit Respekt zu tun», erklärt man mir jeweils. Nie würde es einem Nationalrat einfallen, seine Kollegen aufzufordern, ihre Handys und Laptops wegzulegen. Nie würde ein Professor an einer Universität auf die Idee kommen, seinen Studenten zu befehlen, die Handys zu versorgen. Wieso sollte die Situation an der Kanti eine andere sein?

In seinem letzten Jahr vor der Pensionierung sorgte mein ehemaliger Italienischlehrer für nationale Schlagzeilen. Als eine Schülerin ihr Handy nutzte, nahm er es ihr weg und hielt es unter den Wasserhahn. Dass das Gerät kaputt ging, war so wohl nicht geplant. Doch sorgte genau das dafür, dass der Signore Professore bald schon auf den Titelseiten der nationalen Boulevardpresse zu finden war. Für sein Verhalten erntete er damals viel Zuspruch. Natürlich nicht vonseiten der Schülerschaft.

Hinter den Diskussionen um das Smartphone im Unterricht steckt ein Generationenkonflikt. Während meine Lehrer früher Nachrichten nur von zu Hause aus verschicken konnten, mache ich das heute direkt aus dem Schulzimmer. Das hat rein gar nichts mit Respektlosigkeit zu tun. Ein Handy-Verbot an der Volksschule ist nachvollziehbar. An der Kanti jedoch sollten Bevormundungen dieser Art vorbei sein – sie nützen sowieso nichts. Wir sind freiwillig an dieser Schule, erwachsen und selbst für unser Schicksal verantwortlich.

Das Smartphone im Unterricht hat fast Rating-Charakter. Je weniger Schüler unter dem Tisch mit dem Handy spielen, desto ansprechender ist der
Unterricht. Oder desto strenger die Lehrperson. Lehrer sollten sich deshalb nicht damit beschäftigen, wie man das Smartphone aus dem Schulzimmer verbannen kann, sondern sich überlegen, wie man seinen Unterricht so gestalten kann, dass die Schüler es freiwillig in der Hosentasche lassen. Oder noch besser: Wie man all das Potenzial, das in diesem Gerät steckt, gezielt für seinen Unterricht nutzen kann.

*Der Autor schreibt über sein letztes Schuljahr an der Kanti Wohlen.