Kommentar
Die Verlogenheit der Coronademonstranten und das Glaubwürdigkeitsproblem des Staates

Nach Liestal, Altdorf und Rapperswil-Jona hat nun also auch Aarau vor den Coronademonstranten kapituliert.

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
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Obwohl die Kundgebung illegal war und die Polizei potenzielle Teilnehmende im Vorfeld ermahnt hatte, nicht nach Aarau zu kommen, konnten am Samstag über 1500 Demonstrierende ungehindert durch die Aarauer Altstadt ziehen; viele friedlich, einige pöbelnd, einzelne spuckend, alle ohne Maske. Die Polizei sperrte da und dort eine Seitenstrasse, zwang den Mob zu Richtungsänderungen, stand aber ansonsten vor allem Spalier.

Coronademonstration in Aarau am 8.5.2021: Szenen auf der Bahnhofstrasse.

Coronademonstration in Aarau am 8.5.2021: Szenen auf der Bahnhofstrasse.

Nadja Rohner

Die Polizei und ihr Polizeidirektor beurteilen ihren Einsatz gegen aussen als «angemessen» und «verhältnismässig». Was sollen sie auch anderes tun.

Trotzdem müssen sich die Behörden hinterfragen. Der Regierungsrat verweigerte die Demobewilligung mit der Begründung, die notorischen Maskenverweigerer könnten die Volksgesundheit gefährden. Gestern nun kritisiert der Regierungsrat die Demonstranten, sie hätten die Gesundheit anderer Menschen gefährdet. Wer mahnt und verbietet, aber die Missachtung nicht ahndet, verliert an Glaubwürdigkeit und Autorität. Das ist in der Erziehung so und gilt auch für den Rechtsstaat.

Ist dieser wirklich so ohnmächtig? Dass es auch anders geht, zeigt die Stadt Bern: Sie hat eine Coronademonstration im Keim erstickt und Hunderte von Anzeigen ausgesprochen.

Man darf keine falsche Rücksicht auf jene nehmen, die den Staat ohnehin zum Narren halten. Führende Coronademonstranten distanzierten sich im Vorfeld pro forma von einer illegalen Kundgebung, liefen in Aarau dann selber an vorderster Front mit. Und auf der Messenger-App Telegram, wo sich Aktivisten austauschen, wurde aufgerufen, kleine Kinder mit an die Demo zu nehmen, damit die Polizei möglichst nicht einschreitet.

Coronaleugner und Massnahmengegner haben wie alle Bürgerinnen und Bürger ein Recht auf eine eigene Meinung. Aber sie haben nicht das Recht auf eigene Fakten und schon gar nicht das Recht, sich über das Gesetz zu stellen und damit alle anderen zu verhöhnen.

So lief die Coronademo ab – die Eindrücke im Video.

SDA-Keystone