Kommentar
Impfoffensive: Ist der Bundesrat am Ende mit seinem Latein?

Die Kantone lassen kaum ein gutes Haar an der Idee des Bundesrates, die Impfquote mit 50-Franken-Gutscheinen zu erhöhen. Die Diskussion lenkt aber von der wirklich wichtigen Frage ab: Was, wenn die Impfquote tief bleibt?

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
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Die Bundesräte Guy Parmelin und Alain Berset: Haben sie einen Plan B? Mittwoch, 8. September 2021, in Bern.

Die Bundesräte Guy Parmelin und Alain Berset: Haben sie einen Plan B? Mittwoch, 8. September 2021, in Bern.

Marcel Bieri / KEYSTONE

Diesmal hat es der Bundesrat den Kantonen zu einfach gemacht für ihre Opposition: Fast unisono zerreissen sie die Idee der 50-Franken-Impfgutscheine in der Luft.

Das verwundert nicht: Der Vorschlag, Personen mit einer Prämie zu belohnen, die andere von der Impfung überzeugen, mag kreativ sein, praktikabel ist er definitiv nicht. Spätestens, wenn es ums Zahlen geht, wollen auch die wenigen wohlwollenden Kantone wie Basel-Stadt nichts mehr davon wissen.

Das gut gemeinte, aber unausgegorene 50-Franken-Rezept zeigt vor allem eines: Der Bund ist bei seinem Bestreben, die Impfquote zu erhöhen, langsam am Ende mit seinem Latein. Die Zertifikatspflicht war die letzte einschneidende Massnahme. Mittlerweile geht es allenfalls noch ums Optimieren der Impfkampagne, mit der Gefahr, sich im Klein-Klein zu verlieren.

Die Verantwortlichen bei Bund und Kantonen sollten sich deshalb nicht länger mit Nebenschauplätzen wie dem 50-Franken-Gutschein aufhalten, sondern sich der grossen offenen Frage zuwenden: Wie wollen Staat und Gesellschaft damit umgehen, wenn sich eine grosse Minderheit in der Schweiz partout nicht impfen lassen will?

Soll das Zertifikatsregime ohne Ablaufdatum bestehen bleiben oder gibt es auch bei einer stagnierenden Impfquote einen Plan für die Normalisierung? Die Widerspenstigkeit der Impfgegner macht zuweilen ohnmächtig. Der Bundesrat darf deswegen nicht in eine Trotzhaltung verfallen und sich einem Plan B verweigern.

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