Zettel
Jetzt wird gemovembert

Den Oktober können wir getrost abhaken und endlich den Herbst wieder grau in grau geniessen. Schluss mit Pink. Schluss mit Schleifchen und der allerorts zelebrierten Solidarität mit dem Brustkrebs.

Silvia Schaub
Drucken

Den Oktober können wir getrost abhaken und endlich den Herbst wieder grau in grau geniessen. Schluss mit Pink. Schluss mit Schleifchen und der allerorts zelebrierten Solidarität mit dem Brustkrebs. Keine Ex-Missen, Sportlerinnen und Sängerinnen mehr, die auf Plakaten mit ihren Mamis posieren. Keine rosafarbenen Shirts, Highheels oder Puderdöschen mehr, die uns in den Auslagen entgegenblitzen.

Aber zu früh gefreut. Der nächste Betroffenheitsangriff ist in vollem Anzug. Sie haben es noch nicht bemerkt? Ist Ihnen nicht aufgefallen, dass die Männer seit gestern ums Kinn glatt rasiert sind? Sie können von Glück reden, wenn Sie kein solches Exemplar zu Hause haben, das sich in den nächsten Tagen genau dort die Härchen spriessen lässt, wo es bisher aus modischer Sicht nicht unbedingt gefragt war: auf der Oberlippe.

Denn nun ist nicht mehr Pink-Oktober, sondern Movember! Noch nie gehört? Mit «Movember» starteten vor zehn Jahren 30 Australier eine Aktion, um den in Vergessenheit geratenen Schnurrbart wieder ins Blickfeld zu hieven. Der Begriff ist aus der Vereinigung des englischen Begriffs Mustache und des Novembers entstanden.

Doch inzwischen hat die Aktion längst nicht mehr nur einen lustig-ästhetischen Hintergrund, sondern nun geht es eben auch um einen guten Zweck. Die «Mo Bros», wie sich die Schnauz-Freunde nennen, wollen auf Männerkrankheiten aufmerksam machen (und Geld sammeln). Dagegen habe ich überhaupt nichts. Aber bitte ohne die penetrante PR-Industrie – und vor allem ohne Schnauz.