Mein Leben im Dreiland
In Freiburg zeigen sich die Händler spendabel

In der Basler Innenstadt können sich die Detailhändler nicht mit der Idee anfreunden, einen Teil der Parkgebühren für ihre Kunden zu übernehmen. 60 Kilometer weiter nördlich sieht man das anders.

Peter Schenk
Peter Schenk
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In Freiburg im Breisgau läuft der Hase anders.

In Freiburg im Breisgau läuft der Hase anders.

unbekannt

Acht Freiburger Detailhändler erstatten ihren Kunden für die innenstadtnahe Rotteckgarage einen Teil der Parkgebühren zurück, wenn diese bei ihnen einkaufen. Die «Parken-Rabatt-Aktion», wie sie heisst, läuft seit Juni 2013. Das besagte Parkhaus wird, wie weitere auch, von der städtischen Gesellschaft «Freiburger Kommunalbauten» betreut.

Die Aktion sei «überwiegend positiv angenommen worden», ist aus Freiburg zu erfahren. Grund dafür sei, dass der Einzelhandel, wie er in Deutschland heisst, in der Vergangenheit bemängelte, dass die Kundenzahlen zurückgingen.

Irgendwie erinnert mich das an die Basler Innenstadt, nur dass die Detailhändler sich dort nicht mit der Idee anfreunden können, einen Teil der Parkgebühren für ihre Kunden zu übernehmen. 60 Kilometer weiter nördlich sieht man das anders.

Unter den acht Detailhändlern befinden sich eine Apotheke, zwei Goldschmiede, zwei Modegeschäfte, ein Juwelier, eine Papeterie und ein Spezialist für Hörgeräte. In Letzterem erhalten die Stammkunden je nach Länge des Termins eine Karte für 50 Cents, einen Euro oder zwei Euro, die sie am Kassenautomaten des Parkhauses zusammen mit dem Parkticket einlösen können.«Werbemässig ist das für uns eine sinnvolle Sache», betont der Filialleiter.

Auch in der Apotheke, die an der Aktion teilnimmt, sind die Kunden damit zufrieden. Sie erhalten bei einem Einkauf ab 10 Euro einen Parkgutschein von 50 Cent; kaufen sie für mehr als 20 Euro ein, für einen Euro. Im Parkhaus wird auf die acht Geschäfte hingewiesen –
alle befinden sich ganz in der Nähe und machen auch bei sich im Laden mit Hinweisschildern auf die Teilnahme aufmerksam.
Ziel ist es, «den Kunden den Einkauf in der Innenstadt komfortabler zu machen und den Einzelhandel zu unterstützen», so die «Freiburger Kommunalbauten».

Kommt hinzu, dass im Juni 2013 umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Rotteckgarage abgeschlossen wurden und diese derzeit wegen der Erweiterung der Fussgängerzone und dem Bau einer neuen Tramlinie bis Februar 2016 etwas komplizierter als üblich zu erreichen ist.

Aufgrund ihrer guten Lage direkt am Rand der City ist die Parkgarage aber sehr beliebt. Die Betreiber können sich dabei durchaus vorstellen, die Rabattaktion auch auf andere Freiburger Parkhäuser zu übertragen.

Migros handhabt es in ihren Schweizer Parkhäusern so, dass die Kunden eine Parkkarte erhalten, die 60 bis 90 Minuten gratis parkieren ermöglicht. Wenn diese Zeit überzogen ist, muss man nachzahlen. Coop verzichtet wenn möglich auf Gebühren, oder die ersten 60 bis 90 Minuten sind gratis. Ausnahmen gebe es bei behördlichen Auflagen zu den Parkgebühren oder an Orten, wo Coop eingemietet sei, so die Medienstelle. Dort bestimme der Vermieter, ob und wie er das Parking bewirtschafte.

Wenn ich ausnahmsweise mit dem Auto nach Freiburg fahre, stelle ich den PW oft am Stadtrand in der Nähe einer Tramhaltestelle ab, wo es noch keine Parkgebühren kostet. Ich muss aber einräumen, dass ich während meines Studiums in Freiburg Taxi gefahren bin und mich darum dort gut auskenne. Deutschland wäre aber nicht Deutschland, wenn es dafür nicht bereits eine Lösung gebe: die Internetseite www.gratisparken.de

Die Freiburger haben sich noch eine andere originelle Aktion einfallen lassen. Sie heisst «Nette Toiletten» und besteht darin, dass die Besucher bei dreizehn Gastronomen, die den entsprechenden roten Kleber an der Tür haben, gratis das WC benutzen dürfen. Vielleicht ist auch das eine Idee für Basel?

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