Die Freitags-Kolumne
Hunde, wollt ihr ewig schreiben?

Leute (Männer?) sitzen gern rund um einen Tisch, klopfen auf den Tisch und sagen dann: «Man müsste denen wieder mal zeigen, was eine Harke ist!»

Max Dohner
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Wohin wollen sie denn gehen?

Wohin wollen sie denn gehen?

Die Adressaten («denen») sind wie immer unbestimmt. Auch worin die «Harke» besteht, ist ungewiss. Manchmal entspringt trotzdem eine Idee aus dem Geknurre reihum: «Man müsste denen im Mindesten wieder mal seine Meinung geigen.»

Oder die Meinung bellen? Vor zwanzig Jahren kamen vier Journalisten in der Kneipe auf eine Idee. Am Wochenende feiern sie, was sie damals beschlossen hatten: Es erscheint die erste Nummer einer Zeitschrift, die im Namen ihr Programm mitliefert: «Kot und Köter». Eine «Zeitschrift für Hundehasser», also ein klassisches Community-Produkt. Naturgemäss ohne Maulkorb. Auch ohne Schaum vor dem Mund, sagen die Initianten. Gleichwohl hagelte es gegen «Kot und Köter» schon vor zwanzig Jahren Geifer und kalte Wut. Die Betreiber, damals gaben sie sich noch erstaunt, erwarten weiteres Ungemach: «Hasso, fass!»

Auf der Homepage der Zeitschrift heisst es, «Kot und Köter» soll eine «unsentimentale und intelligente Abrechnung» sein «mit dem Mythos vom besten Freund des Menschen». Der Ton, den man gewöhnlich anschlage, sei «(real)satirisch».

Nun erwacht im Kopf des geneigten Lesers irgendwo ein schlafender Hund: Satire am Hund? Originell ist diese Verknüpfung keineswegs. Und besser hat das seit rund achtzig Jahren kaum einer je wieder gemacht als Kurt Tucholsky, der als Satiriker nun wirklich ein gerissener Hund gewesen ist. Es spricht für die Initianten von «Kot und Köter», dass sie die Spur ihres Hunde-Erbes sozusagen bis zu jenem Wolf zurück aufzeigen und ehren.

So kramt man denn wieder mal Tucholskys «Traktat über den Hund» hervor. Und staunt, wie frisch das geblieben ist: «Der Hund ist ein monomaner Kapitalist. Er bewacht Eigentum, das er nicht verwerten kann.» Oder: «Der Hund bellt immer. Und wenn er keinen Anlass hat, erbellt er sich einen.»