Ruf aus Amerika
«Haben Sie das begriffen, Trump?»

Renzo Ruf
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Donald Trump muss einen weiteren Seitenhieb einstecken.

Donald Trump muss einen weiteren Seitenhieb einstecken.

KEYSTONE/AP/JOHN LOCHER

John Warner ist 89 Jahre alt. Doch der ehemalige Senator, der Virginia bis 2009 drei Dekaden lang im US-Senat in Washington vertrat, ist immer noch bewundernswert rüstig. Deshalb
beschloss der Republikaner in der vergangenen Woche, aus seinem politischen Ruhestand zu treten und einige Kommentare zum laufenden Präsidentschaftswahlkampf abzugeben.

Während eines kurzen Auftritts vor den Toren der Hauptstadt gab Warner bekannt, dass er die Demokratin Hillary Clinton unterstützen werde. Auch weil er schon lange mit ihrem «running mate» Tim Kaine (und dessen Schwiegervater) befreundet ist. Warner gab eine elegante Erklärung ab, die mit einer bissigen Pointe endete: Als Marine-Soldat im Zweiten Weltkrieg habe er die Propaganda-Parole «Loose Lips Sink Ships» verinnerlicht – wer dumm daherschwätze, gefährde die Sicherheit seiner Kameraden. «Haben Sie das begriffen, Trump?» fragte Warner.

Der Name John Warner stand zum letzten Mal im Jahr 2002 auf einem Wahlzettel in Virginia. Viele junge Bewohner des politisch umkämpften Bundesstaates haben deshalb vergessen, dass der aristokratisch auftretende Anwalt einst die politische Szene beherrschte. Ältere Wählerinnen und Wähler erinnern sich aber noch gut daran, dass Warner Ende der 1970er-Jahre mit dem Filmstar Elizabeth Taylor verheiratet war (als Gatte Nummer sechs) und deshalb auch in der Klatschpresse abgefeiert wurde.

Jedenfalls erinnert Warner an eine Periode in der amerikanischen Politik, in der Demokraten und Republikaner pfleglich miteinander umgingen und das Wort «Kompromiss» nicht benutzt wurde, um den politischen Gegner zu beschimpfen. Er ist damit das pure Gegenteil von Donald Trump.

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