Flüchtlings-Drama
Gegen Schlepper statt gegen Flüchtlinge vorgehen

Nach dem Flüchtlings-Drama auf einer österreichischen Autobahn muss die Polizei gezielt gegen Schlepper vorgehen. Doch das allein reicht nicht aus.

Norbert Mappes-Niediek
Norbert Mappes-Niediek
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"Ich bin erschüttert, tief betroffen und zornig", reagierte der österreichische Justizminister Wolfgang Brandstetter auf das Flüchtlingsdrama.
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Bei einer Medienkonferenz in Eisenstadt sprach Innenministerin Johanna Mikl-Leitner von einem "dunklen Tag".
Beim Eintreffen der Polizei trat bereits Verwesungsflüssigkeit aus der Ladefläche.
Der rund 7,5 Tonnen schwere Lastwagen, ein Kühlfahrzeug, dürfte bereits seit Mittwoch, in einer Pannenbucht auf der A4 abgestellt gewesen sein.
Drama auf österreichischer Autobahn: Flüchtlinge in LKW erstickt
Entdeckt wurde der Lastwagen von einem Mitarbeiter des Strassenbetreibers Asfinag.
Auf dem Kühlwagen mit ungarischen Kennzeichen befindet sich der Schriftzug einer slowakischen Hühnerfleischfirma.

"Ich bin erschüttert, tief betroffen und zornig", reagierte der österreichische Justizminister Wolfgang Brandstetter auf das Flüchtlingsdrama.

Keystone

Die meisten Schlepper sind Verbrecher. Das gilt nicht nur für den Fahrer des Lastwagens, der Dutzende Flüchtlinge auf der Autobahn in Österreich ersticken liess und sich aus dem Staub machte. Es gilt genauso für jene, die den Menschen ihr letztes Geld abnehmen und sie – noch weit vor der Grenze – irgendwo im Wald absetzen. Oder, wie in Mazedonien geschehen, in einen Güterzug locken und dann einfach auf ein Abstellgleis schieben. Auch ordinäre Räuber sind darunter, die Familien bedrohen und bestehlen. Sogar Kidnapper, die ihre Opfer so lange festhalten, bis sie neues Geld herbeigeschafft haben.

Wer sich über dieses Gesindel glaubwürdig empören will, sollte aber wenigstens damit aufhören, ihm Flüchtlinge regelrecht in die Arme zu treiben. Schlepper haben nur da Erfolg, wo man legal nicht weiterkommt. Überteuerte Zug- oder Busfahrkarten von einem Vorstadtgauner kauft nur, wer am Schalter keine kriegt. Auf die Ladefläche eines Lastwagens mit vierschrötigem Fahrer steigt nur, wer fürchten muss, aufgegriffen und zurückgeschickt zu werden.

Würde die Polizei die kriminellen Basare an den Grenzen oder vor den Hauptbahnhöfen gezielt zerschlagen, wäre ihr der Beifall der Opfer sicher. Es wäre auch schon hilfreich, an den kritischen Grenzübergangsstellen und an den Sammelpunkten der Flüchtlinge Anlaufstellen einzurichten, die Notversorgung und Auskünfte anbieten. Zurzeit wird das als Beihilfe zum illegalen Grenzübertritt kriminalisiert. Das ist unnötig und unsinnig.

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