Kommentar
Friedensvertrag soll Mord vergessen machen

Analyse zum saudi-arabischen Thronfolger

Michael Wrase, Limassol
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Michael Wrase.

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Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (MBS) will sein durch den Auftragsmord an Jamal Khashoggi stark angeschlagenes Image in den USA offenbar aufpolieren. Nach Informationen des Internet-Newsportals «Middle East Eye» wurde in Riad eine Emergency Task Force gebildet, die sich mit den verheerenden Folgen der Mordtat befasst und gleichzeitig «Vorschläge zur Schadensbegrenzung» prüft.

Vom designierten Thronfolger persönlich sei der Vorschlag eines Gipfeltreffens mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu mit Donald Trump als Gastgeber in Camp David gekommen.

In der Erholungsanlage des jeweils amtierenden US-Präsidenten hatte der ägyptische Präsident Anwar el-Sadat vor 40 Jahren seinem israelischen Amtskollegen Menachim Begin die Hände geschüttelt und als erster arabischer Staatschef Israel offiziell anerkannt. Von einem solchen «Jahrhundert-Deal» und «Publicity-Coup» träume auch MBS, zitiert «Middle East Eye» Gewährsleute im Umfeld des Kronprinzen.Ein Friedensvertrag zwischen Israel und Saudi-Arabien, heisst es, könnte sowohl das Repräsentantenhaus als auch den US-Senat «dauerhaft besänftigen». Die Kongresskammer hatte am Donnerstag Kronprinz MBS als «verantwortlich für den Mord» an dem Journalisten Jamal Khashoggi bezeichnet.

Damit hat sich das Parlament deutlich gegen den Saudi-Arabien-Kurs des US-Präsidenten gestellt. Zudem fordert der US-Senat ein Ende der US-Unterstützung für den saudi-arabischen Militäreinsatz im Bürgerkrieg im Jemen. MBS hält sich trotz belastender Indizien gegen ihn im Fall Khashoggi bekanntlich für unschuldig und wird gegenwärtig noch von Trump gestützt.

Es ist der gemeinsame Feind Iran, der in den letzten Jahren zu einer substanziellen Annäherung zwischen Riad und Tel Aviv geführt hat. Die Idee eines Gipfeltreffens zwischen MBS und Netanjahu soll vor Monaten bereits Trumps Schwiegersohn Jared Kushner ins Spiel gebracht haben. Er arbeitet auch an einem angeblich «bahnbrechenden Friedensvertrag» zwischen Israel und den Palästinensern, mit dem die Amerikaner den 70-jährigen Nahost-Konflikt «endgültig lösen» wollen.

Im Gegensatz zu den meisten Staats- und Regierungschefs hatte Netanjahu den saudischen Kronprinzen in den letzten Wochen immer wieder öffentlich verteidigt. Der Israeli flog sogar nach Washington, um Donald Trump persönlich darum zu bitten, MBS nicht fallenzulassen, weil dies nicht im Interesse Israels sei.